Herkunft und Geschichte
Der Tosa Inu stammt aus Japan, aus der alten Provinz Tosa auf der Insel Shikoku (heute Präfektur Kōchi). Der FCI-Standard sagt offen, wofür die Rasse gezüchtet wurde. Unter "Verwendung" steht: "Ehemaliger Kampfhund, heute Wachhund."
Laut der Kurzgeschichte im FCI-Standard hat der Hundekampf in Japan eine lange Tradition, die im 14. Jahrhundert beginnt. Der Tosa entstand als Kreuzung des einheimischen Shikoku-Ken mit westlichen Rassen. Der Standard nennt Bulldoggen (1872), Mastiffs (1874), Deutsche Vorstehhunde (1876) und Deutsche Doggen (1924); auch Bernhardiner und Bullterrier sollen beteiligt gewesen sein. Manchmal wird er "Japanischer Mastiff" genannt.
Anerkennung heute:
- FCI: Standard Nr. 260, Gruppe 2, Sektion 2.1 (Molosser, doggenartige Hunde), gültiger Standard vom 9. Dezember 1997, ohne Arbeitsprüfung.
- UKC (USA): seit dem 1. Januar 1998 als "Tosa Ken" in der Guardian Dog Group.
- AKC (USA): nur im Vorregister Foundation Stock Service.
Weil die Rasse FCI-anerkannt ist, sind VDH-Papiere grundsätzlich möglich. In Deutschland fallen aber nur sehr wenige Würfe, und in Bayern ist die Zucht verboten (siehe unten). Viele Hunde kommen aus dem Ausland, was wegen der Einfuhrbeschränkung besonders heikel ist.
Wesen und Charakter
Der FCI-Standard beschreibt das Wesen so: "Bestimmt durch Geduld, Gelassenheit, Unerschrockenheit und Mut." Der amerikanische UKC-Standard wird deutlicher:
- Der Tosa ist normalerweise ruhig, still und folgsam, dabei aufmerksam. Seiner Familie gegenüber ist er auf leise Art anhänglich, Fremden gegenüber mitunter etwas distanziert.
- Anderen Hunden gegenüber ist er von Natur aus wachsam und kann aggressiv auf Hunde reagieren, die er als Eindringlinge sieht. Ein gewisses Maß an Aggression gegen Hunde nennt der UKC ausdrücklich rassetypisch.
- Aggression gegen Menschen ist laut Standard untypisch und höchst unerwünscht.
- Er wird spät erwachsen, manche Hunde sind erst mit etwa vier Jahren voll ausgereift.
Im Alltag ist das ein ruhiger, eigenständiger Hund, der wenig bellt und Haus und Grundstück ohne Schutzdienst bewacht. Das eigentliche Thema sind fremde Hunde: Ein großer erwachsener Tosa, der sich auf eine Rauferei einlässt, ist kaum zu stoppen. Freilauf mit fremden Hunden und Hundewiesen fallen meist weg.
Größe und Aussehen
Ein großer, kurzhaariger Molosser mit breitem Schädel, kantigem Fang, Hängeohren, Wamme und einer dicken Rute, die bis zum Sprunggelenk reicht. Die FCI erlaubt Rot, Falb, Apricot, Schwarz und Gestromt; kleine weiße Abzeichen an Brust und Pfoten sind zulässig.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe (FCI) | mindestens 60 cm | mindestens 55 cm |
| Gewicht (üblich) | 45-90 kg | 45-90 kg |
| Lebenserwartung | 10-12 Jahre | 10-12 Jahre |
| Fell | kurz, hart, dicht | kurz, hart, dicht |
Die FCI nennt nur Mindestmaße und kein Gewicht. Die meisten erwachsenen Hunde messen etwa 55 bis 80 cm. Die Gewichtsspanne von 45 bis 90 kg nennt der AKC; sie spiegelt die schweren westlichen Linien. Hunde japanischer Linien sind oft deutlich leichter.
Bewegung und Alltag
Erwachsene brauchen mäßige, aber tägliche Bewegung: lange ruhige Spaziergänge, Freilauf im sicher eingezäunten Garten und etwas Kopfarbeit. Für Joggen oder Hundesport mit Sprüngen ist er nicht gebaut. Welpen wachsen schnell und sollten keine langen Läufe, Treppen oder Sprünge machen, bevor die Gelenke ausgereift sind.
Realistisch ist ein Haus mit hohem, stabilem Zaun. Eine Mietwohnung passt kaum: Treppenhaus, Aufzug und Nachbarhunde bringen genau die engen Begegnungen, mit denen die Rasse am schlechtesten umgeht. Der Tosa sabbert, vor allem nach dem Trinken, und verträgt Hitze schlecht.
Erziehung
Laut UKC-Standard reagiert der Tosa am besten auf positive Methoden. Harte Strafen sind bei einem Hund dieser Größe und mit diesem Selbstbewusstsein riskant. Was funktioniert:
- Ruhige, konsequente Erziehung mit Belohnung und wenigen, klaren Regeln ab dem ersten Tag.
- Frühe, breite Sozialisierung mit Menschen, Orten und Berührungen, bis ins dritte Lebensjahr, denn die Rasse wird spät erwachsen.
- Kontrollierte Begegnungen mit souveränen erwachsenen Hunden statt wildem Spiel mit fremden Hunden.
- Leinenführigkeit und ein sicheres Abbruchsignal, solange der Welpe noch zu halten ist. Ein erwachsener Tosa kann mehr wiegen als sein Halter.
- Maulkorbtraining als Routine. Wo die Rasseliste gilt, ist der Maulkorb oft Pflicht.
Typische Probleme sind Unverträglichkeit mit anderen Hunden, Ziehen an der Leine und übertriebenes Bewachen von Haus und Garten. Sachkundeprüfung oder Wesenstest kommen je nach Bundesland ohnehin auf dich zu.
Pflege
Sehr wenig. Einmal pro Woche mit dem Gumminoppenhandschuh bürsten. Lefzen und Gesichtsfalten sauber halten, ein Handtuch gegen Sabber griffbereit haben, Ohren kontrollieren und Krallen regelmäßig kürzen. Übe das mit dem Welpen, bevor er 70 kg wiegt.
Gesundheit
Der Tosa ist selten, und es gibt kaum veröffentlichte Gesundheitsdaten zur Rasse. Worauf es ankommt:
- Hüft- und Ellbogendysplasie (HD/ED), wie bei anderen schweren Molossern. Lass dir die HD- und ED-Befunde beider Eltern zeigen.
- Magendrehung, ein Risiko bei allen großen Hunden mit tiefer Brust. Kenne die Warnzeichen und sprich mit dem Tierarzt über eine vorbeugende Gastropexie.
- Lidprobleme. Der UKC-Standard schließt Hunde mit funktionellen Fehlern an Lidern oder Wimpern aus; frag nach Entropium und Ektropium bei den Eltern.
- Hitzeempfindlichkeit und Übergewicht bei sehr schweren Hunden.
Einen etablierten rassespezifischen Gentest haben wir nicht gefunden. Die Lebenserwartung liegt bei 10 bis 12 Jahren.
Kosten
Ein Welpe von einem Züchter, der die Eltern untersuchen lässt, kostet meist 1.500 bis 3.000 €. Weil es in Deutschland nur wenige Würfe gibt, kommen Wartezeit und oft eine weite Anreise dazu. Einen Welpen aus dem Ausland in ein Land mit Gefährlichkeitsvermutung zu holen, ist ohne Nachweis der Haltungsberechtigung verboten (siehe oben).
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund mit 45-70 kg) | 800-1.300 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde 100-400 €, als Kampf- oder Listenhund oft ein Vielfaches |
| Hundehaftpflicht | ca. 80-200 €, für Listenhunde teurer; in NRW mindestens 500.000 € Deckung für Personenschäden |
| Tierarzt (Durchschnitt) | ca. 500-800 € |
Dazu kommen Erlaubnis, Wesenstest oder Verhaltensprüfung und Sachkundenachweis, wo die Rasseliste gilt, außerdem ein stabiler Zaun, eine Riesenbox und eventuell eine OP-Versicherung.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- erfahrenen Haltern großer Wach- und Schutzhunde, etwa nach einer Bordeauxdogge oder einem Mastiff
- einem Haus mit sicher eingezäuntem Grundstück ohne weitere Hunde, höchstens mit einem ruhigen Hund des anderen Geschlechts
- Menschen in einem Bundesland ohne Tosa auf der Rasseliste, die Jahre in Sozialisierung und Management investieren wollen
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern
- Haushalten mit mehreren Hunden oder Menschen, die gern auf die Hundewiese gehen
- Mietern, deren Vertrag Listenhunde ausschließt, und Haltern in Bayern ohne berechtigtes Interesse
- Menschen, die einen sanften Riesen suchen: Neufundländer und Leonberger sind viel einfacher und stehen auf keiner Rasseliste