Herkunft und Geschichte
Die Bordeauxdogge (FCI-Name: Dogue de Bordeaux) zählt laut FCI-Standard "zu den ältesten Hunden Frankreichs" und geht womöglich auf die Hunde der Alanen zurück. Schon im 14. Jahrhundert schrieb Gaston Phébus, Graf von Foix, in seinem Jagdbuch über solche Packer, sie hielten ihre Beute fester als drei Windhunde.
Im 19. Jahrhundert gab es diese Doggen vor allem noch in Aquitanien. Sie jagten Wildschweine, bewachten Haus und Vieh, halfen den Metzgern und wurden in Hundekämpfen eingesetzt. Auf der ersten französischen Hundeausstellung 1863 in Paris liefen sie bereits unter ihrem heutigen Namen. Von mehreren Schlägen (Toulouse, Paris, Bordeaux) setzte sich der Bordeaux-Typ durch. Den ersten Standard veröffentlichte Pierre Mégnin 1896.
Nach den beiden Weltkriegen war die Rasse fast ausgestorben. In den 1960er-Jahren begann der Neuaufbau, 1971 schrieb Raymond Triquet einen neuen Standard. Die Ergänzungen von 2007 im gültigen Standard stammen von Vertretern des französischen Rasseclubs SADB. Heute ist die Bordeauxdogge FCI-Standard Nr. 116, Gruppe 2 (Molosser), ohne Arbeitsprüfung.
Welpen mit FCI-Ahnentafel kommen in Deutschland von Züchtern in VDH-Mitgliedsvereinen. Bekannt wurde die Rasse international durch den Film Scott & Huutsch (1989) mit Tom Hanks.
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt sie so: "Als ehemaliger Kampfhund eignet sie sich für Bewachungsaufgaben, die sie mit Aufmerksamkeit und großem Mut, aber ohne Aggressivität erfüllt. Sie ist ein guter Gefährte und ihrem Herrn gegenüber sehr anhänglich und liebevoll. Ruhig, ausgeglichen mit hoher Reizschwelle." Und: "Der Rüde hat normalerweise ein dominantes Wesen." Im Alltag heißt das:
- In der Familie ist sie sanft, anhänglich und am liebsten ganz nah bei ihren Menschen.
- Fremden gegenüber ist sie wachsam und zurückhaltend. Meist reichen Größe und Stimme als Abschreckung.
- Sie regt sich nicht schnell auf. Wenn sie aber handelt, sind 50 kg und mehr kaum zu halten.
- Mit anderen Hunden ist sie unterschiedlich verträglich, unter erwachsenen Rüden gibt es oft Streit.
Mit den eigenen Kindern ist eine gut aufgezogene Bordeauxdogge meist geduldig. Ein so schwerer Hund kann ein Kleinkind aber leicht umwerfen, daher nie unbeaufsichtigt lassen.
Größe und Aussehen
Ein kurzer, sehr massiger Hund, etwas länger als hoch, mit gewaltigem Kopf, kurzem breitem Fang, Vorbiss und tiefen Falten. Das Fell ist fein, kurz und weich, immer einfarbig falb von Mahagoni bis Isabell, mit schwarzer, brauner oder ohne Maske. Kleine weiße Abzeichen an Brust und Pfoten sind erlaubt.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe (FCI) | 60-68 cm | 58-66 cm |
| Gewicht (FCI) | mindestens 50 kg | mindestens 45 kg |
| Lebenserwartung | 5-8 Jahre | 5-8 Jahre |
| Fell | kurz, fein, weich | kurz, fein, weich |
Der Standard toleriert 1 cm unter und 2 cm über der Größenspanne und nennt nur Mindestgewichte. Viele erwachsene Rüden wiegen 55 bis 65 kg.
Bewegung und Alltag
Die Bordeauxdogge ist kein Sporthund. Ein bis zwei ruhige Spaziergänge am Tag, etwas Spiel und Kopfarbeit genügen. Wichtiger sind Platz, ein kühler Liegeplatz und eine Familie, die viel zu Hause ist.
Laut Standard ist sie ein typischer kurzköpfiger Molosser, und er nennt "Übermäßig kurzatmig, keuchend" ausdrücklich als schweren Fehler. Im Sommer nur morgens und abends raus, immer Schatten und Wasser, nie im Auto warten lassen. Starkes Hecheln, eine dunkelrote oder bläuliche Zunge oder Zusammenbrechen sind ein Notfall. Dazu kommt Sabber: Handtücher an der Tür gehören zur Grundausstattung. Junghunde bis etwa 18 Monate keine langen Treppen, kein Joggen, kein Springen aus dem Auto.
Erziehung
Die Bordeauxdogge ist klug, aber stur, und sie wird spät erwachsen. Was funktioniert:
- Ruhige, konsequente Erziehung mit Futter und Lob. Harte Methoden machen sie stur oder verschlossen.
- Leinenführigkeit üben, solange der Welpe noch klein ist. Ein ausgewachsener Hund, der zieht, ist stärker als die meisten Menschen.
- Breite Sozialisierung mit Besuch, Kindern, Straßenverkehr und anderen Hunden, bis ins zweite Jahr.
- Klare Regeln vom ersten Tag an: kein Anspringen, kein Verteidigen von Napf oder Sofa.
Typische Probleme sind Ziehen an der Leine, übereifriges Bewachen und Streit mit gleichgeschlechtlichen Hunden. In Bayern und Hamburg kommen Gutachten oder Wesenstest ohnehin auf dich zu.
Pflege
Bürsten ist kaum nötig, ein Gumminoppenhandschuh einmal pro Woche reicht. Die eigentliche Arbeit ist der Kopf: Gesichtsfalten und Lefzen täglich reinigen und gut trocknen, sonst entzünden sie sich. Nach Fressen und Trinken die Lefzen abwischen. Ohren kontrollieren, Zähne putzen, Krallen kürzen.
Gesundheit
Die Bordeauxdogge hat eine der kürzesten Lebenserwartungen aller Rassen. In einer britischen Auswertung von Tierarztdaten (VetCompass, 2013) lag ihr medianes Sterbealter bei 5,5 Jahren, dem niedrigsten Wert aller untersuchten Rassen (bei kleiner Stichprobe). Bekannte Probleme:
- Herzerkrankungen. Angeborene Subaortenstenose ist bei der Rasse beschrieben. Eine britische Studie an 64 Bordeauxdoggen aus zwei Überweisungskliniken fand bei 39 Prozent Vorhofflimmern, oft zusammen mit eingeschränkter Pumpleistung.
- Hüft- und Ellbogendysplasie (HD/ED) sowie Schulterprobleme.
- Atemprobleme und Hitzeempfindlichkeit durch den kurzen Fang.
- Augenerkrankungen. Der britische Royal Kennel Club empfiehlt Augenuntersuchungen für Zuchthunde.
- Ballenhyperkeratose, verdickte, rissige Pfotenballen ab dem Welpenalter. Für die bei der Rasse gefundene KRT16-Variante gibt es einen Gentest.
- Magendrehung, wie bei allen großen Hunden mit tiefer Brust. Zwei bis drei kleinere Mahlzeiten füttern, nach dem Fressen Ruhe.
Lass dir HD- und ED-Befunde beider Eltern zeigen und frage nach einer Herzuntersuchung mit Ultraschall beim Kardiologen. Ohne Herzbefund ist der Kauf bei einer ohnehin kurzlebigen Rasse ein Glücksspiel.
Kosten
Ein Welpe aus VDH-Zucht mit untersuchten Eltern kostet meist 1.500 bis 2.500 €. Billige Kleinanzeigen und Welpen aus dem Ausland bedeuten fast immer: keine Herz- und Gelenkbefunde, oft auch unklare Herkunft.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund mit 50-65 kg) | 800-1.200 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde 100-400 €, als Listenhund oft deutlich mehr |
| Hundehaftpflicht | ca. 80-200 €, für Listenhunde teurer |
| Tierarzt (Durchschnitt) | ca. 500-800 € |
Dazu kommen in Bayern und Hamburg Gutachten oder Wesenstest, außerdem eine OP- oder Krankenversicherung: Herzdiagnostik, Magendrehung oder Gelenk-OPs kosten schnell mehrere tausend Euro.
Für wen sie passt und für wen nicht
Passt zu:
- Menschen, die einen ruhigen, anhänglichen Haus- und Hofwächter suchen und viel zu Hause sind
- einem Haus mit eingezäuntem Garten und kühlem Liegeplatz, am besten in einem Bundesland ohne Rasseliste (sonst Gutachten oder Wesenstest bewusst einplanen)
- erfahrenen Haltern großer Hunde, etwa nach einem Boxer oder Bullmastiff
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern oder Menschen, die einen Begleiter zum Joggen und Wandern suchen
- Dachgeschosswohnungen ohne Aufzug und heißen Wohnungen ohne Kühlung
- Menschen, die Sabber oder hohe Tierarztkosten nicht verkraften
- allen, die mit oft nur 5 bis 8 gemeinsamen Jahren nicht leben können; Mastiff und Cane Corso sind Alternativen, der Mastino Napoletano hat ähnliche Gesundheitsprobleme