Herkunft und Geschichte
Der Rat Terrier ist ein amerikanischer Farmhund. Seine Vorfahren waren die kleinen Arbeitsterrier und "Feists", die britische Bergleute und andere Einwanderer im 19. Jahrhundert in die USA mitbrachten. Laut dem amerikanischen UKC steckten darin vermutlich Foxterrier (Glatthaar), Manchester Terrier und der ausgestorbene weiße English Terrier; später kamen Whippet oder Italienisches Windspiel für Tempo und Beagle für die Nase dazu. Heraus kam ein Allrounder, der Scheunen von Ratten freihielt, Kleinwild jagte, den Hühnerstall bewachte und mit den Kindern spielte. In den 1920er und 1930er Jahren gehörte er auf vielen Familienfarmen dazu, mit der Modernisierung der Landwirtschaft wurde er selten.
Den Namen soll Präsident Theodore Roosevelt geprägt haben, der einen Feist namens Skip hielt. Der AKC schreibt dazu nur "soll", es ist also eher eine schöne Geschichte als belegte Tatsache. Belegt ist, wie viele Hunde aus diesem Farmtyp hervorgingen: Die kurzbeinigen Hunde wurden in den 1990er Jahren als Teddy Roosevelt Terrier abgespalten, und aus einem nackten Welpen von Rat-Terrier-Eltern, geboren 1972 in Louisiana, entstand der American Hairless Terrier. Der Decker ist eine größere Jagdlinie, die meist dem Züchter Milton Decker zugeschrieben wird; als eigene Varietät erkennt der AKC ihn nicht an.
Der amerikanische Rasseklub Rat Terrier Club of America (RTCA) entstand 1993. Der UKC erkannte die Rasse am 1. Januar 1999 an, der AKC 2013 voll in der Terrier-Gruppe, als seine 178. Rasse. In den USA liegt er heute um Platz 84 der AKC-Statistik.
In Europa sieht es ganz anders aus. Die FCI erkennt den Rat Terrier nicht an, und anders als beim Biewer Terrier gibt es auch keine Anerkennung als nationale VDH-Rasse. Der Verband Deutscher Kleinhundezüchter etwa führt nationale Zuchtbücher nur für Biewer und Bolonka Zwetna. Ein VDH-Verein, der den Rat Terrier betreut, ist uns nicht bekannt; eine VDH-Ahnentafel gibt es für ihn also nicht. Deutsche Züchter sind kaum zu finden, die meisten Hunde kommen aus den USA, mit AKC- oder UKC-Papieren.
Wesen und Charakter
Der AKC-Standard beschreibt ihn als sehr aufmerksam, anhänglich und voller Energie, dabei leicht zu erziehen und gehorsam. Laut AKC ist er einer der ruhigsten Terrier, aber trotzdem ein Hund mit viel Energie. Im Alltag heißt das:
- Er hängt an seiner Familie. Der AKC gibt ihm 5 von 5 Punkten für Zuneigung und für den Umgang mit kleinen Kindern. Er will überall dabei sein.
- Er ist ein echter Jagdterrier. Gezüchtet, um Ratten zu töten. Laut AKC können die meisten einer fremden Katze oder einem Eichhörnchen nicht widerstehen. Hamster, Ratten und Ziervögel sind Beute.
- Er ist meist verträglich mit Hunden. Der Standard nennt ihn ausdrücklich keinen Raufer. Am besten passt er laut AKC zu Hunden seiner Größe oder größeren.
- Fremden gegenüber kann er zurückhaltend sein. Er meldet zuverlässig, bellt aber nicht ununterbrochen.
Gut sozialisiert ist er einer der unkompliziertesten Terrier. Ohne Auslastung sucht er sich selbst eine Aufgabe: buddeln, jagen, das Fenster bewachen.
Größe und Aussehen
Ein kräftiger, kompakter, kurzhaariger Terrier, etwas länger als hoch, mit stumpfem keilförmigem Kopf und V-förmigen Ohren, die stehen, halb stehen oder kippen dürfen. Das Fell ist kurz, anliegend und glänzend. Die Rasse ist immer gescheckt: große Platten in Schwarz, Schokobraun, Rot, Apricot, Blau, Falb, Tan oder Zitronengelb auf Weiß, oft mit lohfarbenen Abzeichen. In den USA wird die Rute meist kupiert, eine angeborene Stummelrute oder eine lange Rute sind aber ebenso korrekt. Einfarbig ohne Weiß, gestromt, merle, blaue Augen, kupierte Ohren und Haarlosigkeit führen zur Disqualifikation.
| Miniatur | Standard | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | ca. 25-33 cm | über 33 cm bis ca. 46 cm |
| Gewicht | unterer Bereich von 4,5-11 kg | oberer Bereich von 4,5-11 kg |
| Lebenserwartung | ca. 12-18 Jahre | ca. 12-18 Jahre |
| Fell | kurz, glatt, glänzend | ebenso |
Die Höhen stammen aus dem AKC-Standard (10 bis 13 Zoll und über 13 bis 18 Zoll); unter 25 oder über 46 cm ist ein Hund disqualifiziert. Für das Gewicht nennt der AKC nur eine Spanne für beide Größen, 10 bis 25 Pfund. "Toy"-Rat-Terrier unter 25 cm und große Decker liegen außerhalb des Standards.
Bewegung und Alltag
Der AKC gibt ihm 4 von 5 Punkten für Energie und 5 von 5 für den Bedarf an Kopfarbeit. Manche Rat Terrier sind mit Spiel in der Wohnung zufrieden, die meisten brauchen tägliche Spaziergänge und dazu Ballspiele auf eingezäuntem Gelände. Ein Teil davon sollte Kopfarbeit sein: Nasenarbeit, Tricks, Suchspiele. Viele lieben Hundesport, vor allem Agility, Mantrailing oder Jagdhundsport für kleine Terrier.
Der AKC ist deutlich: Frei laufen lassen sollte man ihn im offenen Gelände nicht, weil der Jagdtrieb gegen den Rückruf gewinnt. Ein sicherer Zaun ist wichtiger als ein großer Garten. Ein ausgelasteter erwachsener Hund kommt gut in einer Wohnung zurecht. Das dünne, einlagige Fell hält wenig warm, im Winter ist ein Mantel sinnvoll.
Erziehung
Der AKC nennt den Rat Terrier äußerst intelligent und gut erziehbar und gibt ihm 5 von 5 Punkten, was für einen Terrier selten ist. Er sei ungewöhnlich sensibel, wolle gefallen und reagiere schnell auf positive Methoden; manche können aber stur sein. Kurze Einheiten mit Futter, Spielzeug und Lob funktionieren, harte Korrekturen nicht.
Typische Schwierigkeiten:
- Rückruf bei Wild. Im offenen Gelände an der Schleppleine führen und nicht erwarten, dass er bei einem Hasen zuverlässig kommt.
- Buddeln und Ausbüxen. Eine erlaubte Buddelecke anbieten und den Zaun auf Lücken prüfen.
- Melden. Einmal bedanken, dann abrufen und Ruhe belohnen.
- Zurückhaltung bei Fremden. Frühe Sozialisierung ist laut AKC ein Muss, eine Welpengruppe wird empfohlen.
Pflege
Sehr einfach. Laut AKC reicht es, einmal pro Woche mit einer weichen Bürste oder einem Handschuh über das Fell zu gehen, gebadet wird etwa einmal im Monat oder seltener. Er haart mäßig, im Fellwechsel stärker; dann hilft ein Gummistriegel. Allergikerfreundlich ist er nicht.
Krallen mindestens monatlich kürzen, Ohren wöchentlich kontrollieren. Die Zähne möglichst täglich putzen, empfiehlt der AKC.
Gesundheit
Der RTCA nennt Rat Terrier allgemein robuste Hunde, die lange und gesund leben können. Laut AKC lassen verantwortungsvolle Züchter auf Folgendes untersuchen:
- Hüftdysplasie (HD), per Röntgen ausgewertet.
- Patellaluxation (herausspringende Kniescheibe), typisch für kleine Rassen.
- Morbus Legg-Calvé-Perthes, eine Hüfterkrankung kleiner Hunde.
- Herzerkrankungen, festgestellt per kardiologischer Untersuchung.
- Augenerkrankungen, vor allem primäre Linsenluxation (PLL), für die es einen Gentest gibt.
- Übergewicht. Laut AKC nehmen manche Rat Terrier leicht zu, Futter und Leckerli also abmessen.
In seiner Gesundheitserklärung vom Juni 2025 schreibt der RTCA für Zuchthunde vier Untersuchungen vor: Herz, Hüften, Patella und den PLL-Gentest. Freiwillig sind Röntgen auf Legg-Calvé-Perthes, eine Augenuntersuchung, ein Hörtest (BAER), Ellbogen und ein Gentest auf PRA-prcd. Beobachten sollen Züchter außerdem Anfälle, das Bandscheiben-Risikogen CDDY sowie Cushing und Addison. Frag nach den vier Pflichtbefunden beider Eltern; amerikanische Befunde stehen öffentlich in der OFA-Datenbank.
Kosten
Weil es in Deutschland praktisch keine Zucht gibt, läuft es meist auf einen Import aus den USA hinaus. Dort kosten Welpen mit AKC-Papieren und untersuchten Eltern meist 900 bis 1.600 Dollar. Dazu kommen Flug, Tierarzt und Papiere; ein deutscher Ratgeber rechnet mit 500 bis 1.500 € und insgesamt mit 2.000 bis 3.500 €. Ein Welpe aus den USA darf frühestens mit etwa 15 Wochen einreisen: Er braucht einen Chip, eine Tollwutimpfung frühestens mit 12 Wochen, danach 21 Tage Wartezeit, und eine amtliche Gesundheitsbescheinigung. Deutlich billigere "Rat Terrier" ohne Papiere sind ein Warnsignal.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund von 5-11 kg) | 200-350 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. 120 € in Berlin, 100 € in München |
| Hundehaftpflicht | ca. 60 € |
| Tierarzt, Impfungen, Parasitenschutz | 300-450 € |
| Hundeschule, Hundesport | 100-300 € |
Auf den Rasselisten der Bundesländer steht der Rat Terrier nicht. In NRW gilt ein Hund ab 40 cm Widerristhöhe oder 20 kg als "großer Hund"; ein großer Standard-Rat-Terrier kann darüber liegen, dann sind Anzeige beim Ordnungsamt, Sachkundenachweis, Haftpflicht und Chip Pflicht. In Niedersachsen braucht einen Sachkundenachweis, wer in den letzten zehn Jahren nicht mindestens zwei Jahre lang einen Hund gehalten hat; die Hundehaftpflicht ist dort und in mehreren anderen Bundesländern vorgeschrieben. Kupieren ist in Deutschland verboten, und ein kupierter Hund darf nach § 10 Tierschutz-Hundeverordnung nicht ausgestellt werden; das gilt auch für andere Veranstaltungen, bei denen Hunde geprüft oder beurteilt werden. Frag beim Import deshalb nach einem Welpen mit langer oder angeborener Stummelrute.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- aktiven Familien mit Kindern, die einen robusten, verspielten kleinen Hund suchen
- Menschen, die einen Terrier wollen, der sich wirklich gut erziehen lässt
- Hundesportlern, die einen wendigen Partner für Agility oder Nasenarbeit suchen
- allen, die ein pflegeleichtes Kurzhaarfell schätzen
Passt nicht zu:
- Haushalten mit Hamstern, Ratten, Kaninchen oder Ziervögeln
- Menschen, die von Freilauf in Feld und Wald träumen
- Haltern, die den ganzen Tag weg sind und keine tägliche Auslastung bieten
- Menschen, die einen Hund mit deutschen Papieren und kurzer Anfahrt zum Züchter suchen. Ähnlicher Typ, hier gut erhältlich: der Jack Russell Terrier oder der Zwergpinscher; die nackte Verwandtschaft ist der American Hairless Terrier, die Miniaturausgabe der Toy Foxterrier