Herkunft und Geschichte
Der Hovawart ist ein alter deutscher Gebrauchshund, und sein Name verrät die Aufgabe: Mittelhochdeutsch hova ist der Hof, wart der Wächter. Anfang des 20. Jahrhunderts war dieser Hofhundtyp fast verschwunden, weil neuere Rassen wie der Deutsche Schäferhund seine Arbeit übernommen hatten.
Ab etwa 1915 baute der Zoologe Kurt Friedrich König die Rasse neu auf. Er suchte passende Hofhunde, vor allem im Schwarzwald, und kreuzte Deutschen Schäferhund, Neufundländer und Leonberger ein. 1922 fiel der erste ins Zuchtbuch eingetragene Wurf, 1937 folgte die Anerkennung als Rasse. Der Zweite Weltkrieg hätte sie beinahe erneut ausgelöscht. 1947 gründete Otto Schramm in Coburg den Rassezuchtverein (RZV), und 1964 wurde der Hovawart als Gebrauchshund anerkannt. Gültig ist der FCI-Standard Nr. 190, Gruppe 2.
Im VDH züchten heute drei Vereine: der Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde (RZV), die Hovawart-Zuchtgemeinschaft Deutschland (HZD) und der Hovawart-Club (HC).
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt einen vielseitigen Gebrauchshund mit Schutztrieb, Selbstsicherheit, Belastbarkeit, mittlerem Temperament und sehr guter Nase. Im Alltag heißt das:
- Er bewacht von sich aus. Grundstück, Auto, Gartentor: Ein Hovawart meldet Besuch zuverlässig und stellt sich im Zweifel zwischen dich und den Fremden, ohne dass es jemand trainiert hat.
- Er ist Fremden gegenüber reserviert, der Familie gegenüber anhänglich. Erwarte höfliche Distanz zu Gästen, nicht die Allerweltsfreundlichkeit eines Golden Retrievers.
- Er denkt mit, bevor er gehorcht. Ein Kommando ohne erkennbaren Sinn wird gern erst einmal geprüft. Junge Hovawarte gelten als Spaßvögel, die ihren Menschen ignorieren, wenn die Motivation fehlt.
- Er wird spät erwachsen. Verspieltes, welpenhaftes Verhalten hält oft bis etwa zum zweiten Lebensjahr an. Die Pubertät, in der der Schutztrieb erwacht und Grenzen ausgetestet werden, ist die Phase, in der viele Halter an ihre Grenzen kommen.
In der eigenen Familie ist ein gut erzogener Hovawart meist geduldig. Für Haushalte mit kleinen Kindern wird die Rasse wegen des Wachinstinkts aber nicht empfohlen. Tobende Nachbarskinder im Garten sind eine Situation, die du steuerst, nicht der Hund.
Größe und Aussehen
Kräftig, etwas länger als hoch, mit langem, leicht gewelltem, anliegendem Haar und wenig Unterwolle. Drei Farben sind zugelassen: schwarzmarken (am häufigsten), schwarz und blond.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 63-70 cm | 58-65 cm |
| Gewicht | ca. 30-40 kg | ca. 25-35 kg |
| Lebenserwartung | 10-14 Jahre | 10-14 Jahre |
| Fell | lang, anliegend, wenig Unterwolle | gleich |
Der Standard nennt kein Gewicht; die Werte sind übliche Angaben aus Rasseporträts.
Bewegung und Alltag
Rechne mit zwei Stunden Beschäftigung am Tag oder mehr, und zwar nicht nur Spaziergang. Die gute Nase macht Fährtenarbeit, Mantrailing, Rettungshundearbeit und Unterordnung zu idealen Auslastungen. Lange Wanderungen bei kühlem Wetter liegen ihm.
Eine Etagenwohnung in der Stadt passt nicht. Ideal ist ein Haus mit sicher eingezäuntem Garten am Stadtrand oder auf dem Land. Allein bleiben kann ein erwachsener Hovawart, wenn es schrittweise geübt wurde. Ein Hund, der aber täglich stundenlang allein den Garten bewacht, wird schnell zum Zaunläufer und Dauerbeller, und das gibt Ärger mit den Nachbarn.
Erziehung
Was funktioniert: frühe, breite Sozialisierung (Menschen, Hunde, Verkehr, Besuch an der Tür), ruhige Konsequenz, kurze Einheiten mit Sinn und ein Mensch, den der Hund ernst nimmt. Harte Methoden gehen bei einem selbstsicheren Hund, der sich alles merkt, nach hinten los.
Typische Schwierigkeiten:
- Selektives Hören in der Pubertät, die beim Hovawart bis etwa zum zweiten Lebensjahr dauern kann.
- Ein Schutztrieb, der ungelenkt zu heftig wird. Bring dem Hund früh bei, dass du entscheidest, wer hereinkommt.
- Übertriebenes Melden an Tür und Zaun, wenn Bellen nie begrenzt wurde.
Pflege
Einfacher, als das lange Haar vermuten lässt. Wegen der geringen Unterwolle genügt Bürsten zwei- bis dreimal pro Woche. Hinter den Ohren, an den Befederungen und an der Hose verfilzt es zuerst. Im Fellwechsel haart er deutlich mehr, scheren muss man nie.
Gesundheit
Der Hovawart gilt als robuste Rasse, im RZV sind 12 Jahre und mehr laut Verein keine Seltenheit. Bekannte Erkrankungen:
- Hüftgelenksdysplasie (HD). Die Vereine haben sie durch strenge Röntgenauflagen zurückgedrängt: Zur Zucht zugelassen werden nur Hunde mit HD-A oder HD-B.
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). In einer finnischen Studie mit 4.953 Hovawarten lag die Erblichkeit bei 0,47 bis 0,62. Die Befunde der Eltern sind deshalb wichtig.
- Degenerative Myelopathie (DM). Eine fortschreitende Rückenmarkserkrankung, verbunden mit einer Mutation im SOD1-Gen. Die HZD führt seit 2011 eine Blutdatenbank dazu.
- Herzerkrankungen, etwa die dilatative Kardiomyopathie (DCM).
- Seltener: Augenerkrankungen, Lebershunt.
Frag für beide Elterntiere nach: HD-Röntgen (A oder B), Augenuntersuchung, Schilddrüsenwerte, DM-Gentest und Herzuntersuchung. Der RZV empfiehlt die Herzuntersuchung ab 20 Monaten.
Kosten
Ein Welpe aus VDH-Zucht kostet aktuell meist 1.500 bis 2.200 €. Der RZV empfahl 2021 eine Spanne von 1.500 bis 1.800 €, heute verlangen viele Züchter um 2.000 €. Angebote weit unter 1.000 € sind ein Warnsignal.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (300-400 g Trockenfutter am Tag) | 450 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. ca. 80 € |
| Hundehaftpflicht | ca. 80 € |
| Tierarzt (Durchschnitt über ein Hundeleben) | ca. 500 € |
Die Hundehaftpflicht ist in mehreren Bundesländern vorgeschrieben und bei einem Hund dieser Größe ohnehin unverzichtbar. Hinzu kommen Ausstattung, Hundeschule und eventuell eine OP-Versicherung.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- erfahrenen Haltern, die schon einen großen, eigenständigen Hund geführt haben
- Haus mit eingezäuntem Garten, Stadtrand oder Land
- Menschen, die einen echten Wachhund wollen und gern mit dem Hund arbeiten (Fährte, Rettungshundestaffel, Hundesport)
- Aktiven, die bei jedem Wetter lange draußen sind
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern oder wer einen sofort folgsamen Hund sucht, dann eher ein Golden Retriever
- Stadtwohnung ohne Garten
- Familien mit Kleinkindern oder ständig vielen Gästen