Herkunft und Geschichte
Der Spanische Mastiff, in seiner Heimat Mastín Español, ist der große Herdenschutzhund Spaniens. Laut FCI-Standard ist die Rasse fest mit der Wanderschafhaltung verbunden, besonders mit den Merinoschafen, die sie schon zur Zeit der Mesta begleitete, der mittelalterlichen Vereinigung der Schafzüchter. Seine Aufgabe war, die Herden auf den langen Wegen zwischen den Winterweiden im Süden und den Sommerweiden in den Bergen des Nordens gegen Wölfe und anderes Raubzeug zu verteidigen.
Die Rassegeschichte des American Kennel Club führt seine Wurzeln auf der Iberischen Halbinsel mehr als 2.000 Jahre zurück und zitiert den römischen Agrarschriftsteller Columella: Die Herdenschutzhunde sollten weiß sein, damit die Hirten sie im Morgengrauen von den Wölfen unterscheiden können. Zur Blütezeit der Wanderungen kam laut AKC auf je 100 Schafe mindestens ein Mastín. Viele Hunde tun diese Arbeit bis heute; der Standard sagt, die Rasse begleite "auch heute noch" die Herden und bewache Höfe, Menschen und Besitz.
Endgültig anerkannt hat die FCI die Rasse am 13. November 1954. Der geltende Standard ist FCI Nr. 91, Gruppe 2, Sektion 2.2 (Molossoide, Berghunde), ohne Arbeitsprüfung, gültig seit 1982. In Spanien betreut die 1981 gegründete Asociación Española del Perro Mastín Español (AEPME) die Rasse und führt seit 1998 einen eigenen Zuchtplan.
In Deutschland ist der Spanische Mastiff selten. Im VDH betreut ihn der Club für Molosser e.V., der aber auf seiner Website angibt, derzeit keine Mastín-Español-Züchter zu haben. Wer einen Welpen mit Papieren sucht, landet meist bei einem Züchter in Spanien mit Ahnentafel der Real Sociedad Canina de España.
Wesen und Charakter
Der FCI-Standard beschreibt ihn als "ländlich derb, von liebevollem und sanftem Adel". Raubzeug und allem Fremden trete er "entschlossen entgegen, besonders wenn er Landgüter oder Vieh bewacht und verteidigt". Er sei ein "selbstsicherer Hund, der seine Kräfte dosiert anwendet, da er sich seiner enormen Kraft bewusst ist." Im Alltag heißt das:
- In der Familie ist er ruhig und anhänglich. Drinnen ist er gelassen und unaufgeregt.
- Fremden gegenüber ist er misstrauisch. Er entscheidet selbst, wer auf sein Gelände gehört, und sein Blick ist laut Standard "von großer Strenge gegenüber Fremden".
- Er ist Herdenschutzhund. Er patrouilliert, meldet alles Ungewöhnliche, gerade nachts, und trifft seine Entscheidungen selbst, statt auf Kommandos zu warten.
- Mit fremden Hunden ist er oft unverträglich. Die eigenen Tiere, auch Schafe oder Ziegen, akzeptiert er meist; fremde Hunde auf seinem Grund nicht.
Mit den Kindern der eigenen Familie ist er in der Regel geduldig. Das Risiko liegt in der Masse und darin, dass ein Wachhund wildes Spiel mit Besuchskindern falsch deuten kann.
Größe und Aussehen
Ein sehr großer, kräftiger Hund, länger als hoch, mit massigem Kopf, losen Lefzen und doppelter Wamme. Das Fell ist dicht, grob und halblang, an der Rute länger und seidiger. Die Farbe ist laut Standard "unbestimmt": Bevorzugt werden einfarbig Gelb, Falb, Rot, Schwarz, Wolfsgrau und Hirschrot; gestromt, gescheckt oder mit weißer Halskrause ist ebenfalls zulässig. Kupierte Ohren sind ein schwerer Fehler und in Deutschland ohnehin verboten.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe (FCI, Minimum) | 77 cm | 72 cm |
| Widerristhöhe (FCI, erwünscht) | über 80 cm | über 75 cm |
| Gewicht (AKC) | ca. 63-91 kg | ca. 63-91 kg |
| Lebenserwartung (AKC) | 10-12 Jahre | 10-12 Jahre |
| Fell | dicht, halblang | dicht, halblang |
Nach oben ist die Größe laut Standard nicht begrenzt, ein Gewicht nennt er nicht. Sein Bellen ist laut Standard "rauh, schwer und tief und wegen seiner Stärke weithin vernehmbar".
Bewegung und Alltag
Der Bewegungsbedarf ist moderat: mehrere ruhige Spaziergänge am Tag und Zeit auf einem eingezäunten Grundstück. Zum Joggen oder Radfahren taugt er nicht. Welpen wachsen sehr schnell, also keine Treppen, langen Märsche oder Sprünge, bis die Gelenke ausgereift sind.
Wichtiger als Auslauf sind Platz und Zaun. Ein Spanischer Mastiff will ein Revier bewachen und versucht, es zu erweitern. Rechne mit einem hohen, stabilen Zaun und mit nächtlichem Bellen, das Nachbarn nicht immer lustig finden. Kälte macht ihm wenig aus; im Sommer nur früh morgens und abends raus, mit Schatten und Wasser.
Erziehung
Der Spanische Mastiff ist klug, aber eigenständig, gezüchtet, um selbst zu entscheiden. Was funktioniert:
- Kurze, ruhige Einheiten mit Futterbelohnung. Harte Strafen machen einen Wachhund defensiv.
- Intensive Sozialisierung ab der 8. Woche bis ins zweite Jahr: Besuch, Tierarzt, Kinder, Straßenverkehr, andere Hunde.
- Leinenführigkeit, solange der Welpe noch klein ist. Einen erwachsenen Rüden mit 80 kg, der irgendwohin will, hält kaum jemand.
- Klare Regeln für Besuch: Du entscheidest, wer reinkommt.
Typische Probleme sind nächtliches Bellen, Bewachen von Grundstück und Auto, Unverträglichkeit mit fremden Hunden und ein Rückruf, der nur funktioniert, wenn nichts Spannenderes in Sicht ist.
Pflege
Einmal pro Woche bürsten genügt meist, im Fellwechsel täglich, denn dann kommt die dichte Unterwolle büschelweise. Ab und zu baden, Ohren kontrollieren, die kräftigen, schnell wachsenden Krallen kürzen und die Zähne putzen. Lefzen und Augen sauber halten, das Unterlid zeigt laut Standard einen Teil der Bindehaut.
Gesundheit
Der AKC hält die Rasse für im Allgemeinen gesund. Die bekannten Baustellen eines Riesenhundes:
- Hüftdysplasie (HD). Das wichtigste Thema. Der Zuchtplan des spanischen Rasseclubs schließt seit 1998 Hunde ab einem vom Club festgelegten HD-Grad von der Zucht aus. Nach dem aktuellen Plan darf ein Hund mit HD-D nur mit einem Partner mit A, B oder C verpaart werden; der Club empfiehlt dringend A oder B und rät von der Zucht mit HD-E ab.
- Ellbogendysplasie (ED), wie bei vielen großen, schnell wachsenden Rassen.
- Lidprobleme. Ausgeprägtes Entropium oder Ektropium ist laut Standard ein schwerer Fehler.
- Magendrehung, wie bei allen großen Hunden mit tiefer Brust. Füttere zwei bis drei kleinere Mahlzeiten und lerne die Anzeichen.
Lass dir die HD- und ED-Befunde beider Eltern zeigen, bei spanischen Hunden möglichst auf der Ahnentafel oder mit Auswertung durch eine anerkannte Stelle.
Kosten
Ein Welpe mit Papieren von untersuchten Eltern kostet meist 1.200 bis 2.000 €. Da es in Deutschland kaum Würfe gibt, kommt der Welpe oft aus Spanien. Dann kommen Transport, Heimtierausweis und Tollwutimpfung dazu, in Bayern oder Hamburg außerdem die Einfuhrbeschränkung.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund mit 65-90 kg) | 1.000-1.500 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde 100-200 €, als Listenhund oft deutlich mehr |
| Hundehaftpflicht | ca. 80-200 €, für Listenhunde teurer |
| Tierarzt (Durchschnitt) | 600-900 € |
Dazu kommen je nach Bundesland Erlaubnis, Gutachten oder Wesenstest und Sachkundeprüfung. Medikamente und Narkosen werden nach Gewicht berechnet, eine HD-Operation oder Magendrehung kostet schnell mehrere tausend Euro. Eine OP-Versicherung lohnt sich.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- Haltern mit Schafen, Ziegen oder einem Hof, die einen echten Herdenschutzhund brauchen
- erfahrenen Haltern großer Wachhunde, etwa nach einem Kangal oder Pyrenäen-Mastiff
- einem Haus mit großem, sicher eingezäuntem Grundstück und toleranten Nachbarn
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern oder Menschen, die einen gehorsamen Sporthund suchen
- Etagenwohnungen, Reihenhäusern und kleinen Gärten
- Haushalten mit viel Besuch oder ständig wechselnden fremden Hunden
- Mietern, deren Vertrag Listenhunde ausschließt; ein Neufundländer ist der sanftere Riese, ein Leonberger der familienfreundlichere