Herkunft und Geschichte
Der Shikoku (auch Shikoku Ken, "Ken" heißt Hund) ist ein mittelgroßer Jagdspitz aus den Bergen von Shikoku, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln. Laut FCI-Standard geht er auf mittelgroße Hunde zurück, die schon in alter Zeit in Japan lebten. Gezüchtet wurde er vor allem für die Jagd auf Wildschweine in den Bergregionen der Präfektur Kochi, deshalb heißt er manchmal auch "Kochi-Ken". Es gab drei Schläge, Awa, Hongawa und Hata, benannt nach ihrer Gegend. Der Hongawa blieb am reinsten, weil seine Täler kaum zugänglich waren.
Der japanische Verein zur Erhaltung der einheimischen Rassen, Nihon Ken Hozonkai (NIPPO), wurde 1928 gegründet und schrieb die Standards der japanischen Hunde. 1937 wurde der Shikoku zum "Naturdenkmal" erklärt. Die heutige Rasse geht wohl vor allem auf die Hongawa- und Hata-Linien zurück; der Awa-Schlag verschwand nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend. Heute gilt der FCI-Standard Nr. 319, Gruppe 5 (Spitze und Hunde vom Urtyp), Sektion 5 (Asiatische Spitze), ohne Arbeitsprüfung. Mit dem Tosa Inu, dem japanischen Molosser, hat er nichts zu tun, und er ist weder ein Wolfshund noch ein großer Shiba.
In Deutschland betreut der Deutsche Club für Nordische Hunde e.V. (DCNH) den Shikoku im VDH, zusammen mit den anderen asiatischen Spitzen. Der Club wurde 1968 gegründet, führt das Zuchtbuch und listet seine Züchter und Würfe auf der eigenen Website. Es gibt nur eine Handvoll Zuchtstätten; manche Züchter sind zusätzlich Mitglied im japanischen NIPPO. Im Rasseporträt, das der DCNH veröffentlicht (verfasst von der niederländischen Züchterin Egitte van Veghel), heißt der Shikoku die seltenste und ursprünglichste der japanischen Rassen.
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt ihn als bemerkenswert ausdauernd, aufgeweckt, von natürlicher Wesensart, energisch und sehr wachsam, als leidenschaftlichen Jäger, der seinem Herrn gegenüber sehr gehorsam ist. Im Alltag heißt das:
- Er ist ein Jäger. Gezüchtet, um Wildschweine im steilen Wald zu finden und zu stellen. Der Jagdtrieb ist hoch, Katzen, Eichhörnchen und Rehe gehören dazu.
- Er hängt sehr an seinen Menschen und ist Fremden gegenüber oft zurückhaltend bis misstrauisch. Scheu gilt im Standard als Fehler, ein Hund, der jeden begrüßt, ist er aber nicht.
- Er sucht sich seine Hundefreunde aus. Der amerikanische Rasseklub schreibt, erwachsene Shikoku mögen manche Hunde, dulden andere und lehnen einige ab. Leinenaggression ist bei Junghunden häufig, Unverträglichkeit unter gleichgeschlechtlichen Hunden nach der Reife "ziemlich verbreitet".
- Er ist sensibel. Auf zu viel Druck reagiert er mit Rückzug, Verunsicherung überspielt er oft mit forschem, aufdringlichem Verhalten.
Mit Kindern, mit denen er aufwächst, kann er gut zurechtkommen. Er ist aber ein Hund für Erwachsene, die ihn führen, kein Spielkamerad, den man mit Kindern allein lässt.
Größe und Aussehen
Mittelgroß, kompakt und muskulös, etwas länger als hoch (10 : 11), mit kleinen, dreieckigen, leicht nach vorn geneigten Stehohren, keilförmigem Fang, fast dreieckigen Augen und einer dicken Rute, die er aufgerollt oder sichelförmig über dem Rücken trägt. Das doppelte Haarkleid besteht aus hartem, geradem Deckhaar und weicher, dichter Unterwolle. Typisch ist Sesam, eine gleichmäßige Mischung aus schwarzen, roten und weißen Haaren; dazu kommen Rot-Sesam und Schwarz-Sesam, der FCI-Standard nennt außerdem Rot und Schwarz mit Brand. Gescheckte Hunde gelten als fehlerhaft.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 49-55 cm (ideal 52 cm) | 46-52 cm (ideal 49 cm) |
| Gewicht | ca. 16-25 kg | ca. 16-25 kg |
| Lebenserwartung | 10-12 Jahre | 10-12 Jahre |
| Fell | hartes Stockhaar mit Unterwolle | ebenso |
Die Höhen stammen aus dem FCI-Standard (ideal 52 bzw. 49 cm, Toleranz +/- 3 cm). Ein Gewicht nennt der Standard nicht; die Angaben sind Richtwerte des amerikanischen AKC.
Bewegung und Alltag
Rechne mit mindestens ein bis zwei Stunden Bewegung am Tag: zügige Spaziergänge, Wanderungen, Nasenarbeit, Fährte, Joggen, wenn er ausgewachsen ist. Der amerikanische Rasseklub beschreibt ihn als mäßig energiegeladen und sportlich, mit viel Ausdauer und einem guten "Ausschalter" an ruhigen Tagen.
Freilauf ist mit diesem Jagdtrieb nur auf eingezäunten Flächen sicher. Ein Rückruf, der auch bei Wild sitzt, ist die Ausnahme. In vielen Bundesländern gelten zudem Leinenpflichten in der Brut- und Setzzeit, in Niedersachsen etwa vom 1. April bis 15. Juli in der freien Landschaft. Eine Wohnung ist bei guter Auslastung möglich, ein Haus mit sicherem, hohem Zaun ist einfacher.
Erziehung
Der Shikoku lernt schnell und bindet sich eng, bleibt aber ein selbstständiger Jäger. Was funktioniert: kurze Einheiten, Belohnung mit Futter und Spiel, ruhige Konsequenz und viel Sozialisierung im ersten Jahr. Der DCNH empfiehlt auch nach der Welpenabgabe Welpenspiel- und Prägungsstunden für ein gesundes Sozialverhalten.
Typische Schwierigkeiten:
- Rückruf bei Wild. Schleppleine, bis der Rückruf wirklich sitzt, und akzeptieren, dass er im offenen Gelände vielleicht nie sitzt.
- Leinenpöbeln gegenüber anderen Hunden, besonders in der Pubertät. Abstand halten, ruhiges Hinschauen belohnen, volle Hundewiesen meiden.
- Streit unter gleichgeschlechtlichen Hunden nach der Reife. Als Zweithund lieber das andere Geschlecht wählen.
- Misstrauen gegenüber Fremden. In den ersten Lebensmonaten viele ruhige Menschen und Orte kennenlernen und in der Pubertät dranbleiben.
Pflege
Die meiste Zeit einfach. Das harte Deckhaar ist schmutzabweisend, einmal Bürsten pro Woche reicht, gebadet wird selten. Zweimal im Jahr, meist im Frühjahr und Herbst, verliert er die Unterwolle büschelweise; dann hilft ein paar Wochen lang tägliches Bürsten mit einem Unterwollrechen. Nicht scheren oder trimmen. Krallen regelmäßig kürzen.
Gesundheit
Der Shikoku gilt als robust, die Zuchtbasis außerhalb Japans ist aber klein. Der amerikanische Rasseklub nennt:
- Panostitis, Wachstumsschmerzen bei Junghunden, die meist von selbst vergehen.
- Hüftgelenksdysplasie (HD). Beim Begleithund selten ein ernstes Problem, bei Zuchthunden ist die Untersuchung aber Pflicht.
- Allergien und empfindliche Verdauung, manche sind mäkelige Fresser.
- Epilepsie, in einigen Linien, meist ab dem jungen Erwachsenenalter. Es gibt keinen Vorsorgetest.
- Immunvermittelte Polyarthritis (IMPA), eine wahrscheinlich erbliche Autoimmunerkrankung der Gelenke, unbehandelt tödlich.
- Gangliosidose, eine lysosomale Speicherkrankheit, immer tödlich, erste Anzeichen meist ab etwa sechs Monaten. Ein Gentest existiert noch nicht.
Der DCNH schreibt im rassespezifischen Anhang seiner Zuchtordnung eine HD-Untersuchung ab 15 Monaten und eine Augenuntersuchung vor, die 24 Monate gilt. Hunde mit HD C dürfen nur mit einem Partner mit besserem HD-Grad verpaart werden. Frag nach den HD- und Augenbefunden beider Eltern und offen nach Epilepsie, IMPA und Speicherkrankheit in der Verwandtschaft.
Kosten
Shikoku-Welpen sind in Deutschland selten, eine Warteliste oder ein Welpe aus dem Ausland ist normal. Ratgeber nennen Preise im niedrigen vierstelligen Bereich, bis etwa 2.000 €; realistisch sind 1.500 bis 2.500 €, ein Import kommt noch dazu. Erste Anlaufstelle ist die Welpenliste des DCNH. Billige "Shikoku" ohne VDH- oder FCI-Papiere sind ein Warnsignal.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund von 16-25 kg) | 350-550 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. 120 € in Berlin, 100 € in München (ab 2027 sind 144 € geplant) |
| Hundehaftpflicht | ca. 70 € |
| Tierarzt, Impfungen, Parasitenschutz | 300-450 € |
| Hundeschule, Nasenarbeit | 100-300 € |
Auf den Rasselisten der Bundesländer steht der Shikoku nicht. In NRW gilt ein Hund ab 40 cm Widerristhöhe oder 20 kg als "großer Hund", und das trifft auf jeden standardgerechten Shikoku zu: Anzeige beim Ordnungsamt, Sachkundenachweis, Haftpflicht und Chip sind dann Pflicht. In Niedersachsen braucht einen Sachkundenachweis, wer in den letzten zehn Jahren nicht mindestens zwei Jahre lang einen Hund gehalten hat; die Hundehaftpflicht ist dort und in mehreren anderen Bundesländern vorgeschrieben.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- erfahrenen Haltern, die ursprüngliche, selbstständige Rassen kennen
- Wanderern und Naturmenschen, die einen zähen, mittelgroßen Begleiter suchen
- Haushalten mit einem einzigen Hund und einem hohen, sicheren Zaun
- allen, die ein natürliches, pflegeleichtes Fell schätzen, abgesehen vom Fellwechsel
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern und Menschen, die einen leicht führbaren Hund suchen
- Haushalten mit Katzen, Kaninchen oder anderen Kleintieren
- Haltern, die von Freilauf und vollen Hundewiesen träumen
- Menschen, die einen Hund wollen, der jeden Hund und jeden Fremden liebt. Wer den japanischen Typ mag: Der Shiba Inu ist kleiner, der Akita deutlich größer; einen umgänglicheren Jagdspitz findest du im Finnischen Spitz oder im Norwegischen Elchhund