Herkunft und Geschichte
Der Bearded Collie, kurz Beardie, ist ein Hütehund aus Schottland und Nordengland. Laut FCI-Standard erwähnen schottische Aufzeichnungen schon um das 16. Jahrhundert einen ähnlichen Hund. Bauern setzten ihn an Schaf- und Rinderherden ein, oft weit weg vom Schäfer und ohne ständige Anweisung. Das zottelige Fell war Wetterschutz, kein Schmuck.
In den 1940er Jahren war die Rasse fast verschwunden. Den modernen Beardie verdanken wir Mrs. G. Olive Willison vom Zwinger Bothkennar: Sie wollte einen Sheltie und bekam aus Versehen eine Bearded-Collie-Hündin, Jeannie. Später fand sie mit Bailey einen passenden Rüden, und deren Nachkommen prägen die Rasse bis heute. 1955 entstand in Großbritannien ein neuer Bearded Collie Club, 1959 erkannte der britische Kennel Club die Rasse an. Die FCI führt sie seit 1967 endgültig als Standard Nr. 271, Gruppe 1, ohne Arbeitsprüfung.
In Deutschland betreuen im VDH zwei Vereine die Rasse: der Club für Britische Hütehunde (CfBrH), gegründet 1889 und zuständig für alle britischen Hütehunde, und der Bearded Collie Club Deutschland (BCCD), seit 2012 ordentliches Mitglied im VDH. Beide führen Zuchtbücher und Welpenvermittlungen.
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt den Beardie als wach, lebhaft, selbstbewusst und aktiv, als ausgeglichenen, intelligenten Arbeitshund ohne Anzeichen von Nervosität oder Aggression. Im Alltag heißt das:
- Er ist fröhlich und laut. Ein Beardie begrüßt mit dem ganzen Körper, und viele bellen beim Spielen oder vor Aufregung. Erwarte einen Clown, keinen stillen Begleiter.
- Er denkt selbst. Gezüchtet, um ohne ständige Kommandos an der Herde zu arbeiten, lernt er schnell, will aber einen Sinn sehen und prüft, ob du "Hier!" wirklich ernst meinst.
- Er liebt Menschen. Meist freundlich zu Fremden und sanft zu Kindern. Ein Wachhund ist er nicht: Er bellt vielleicht an der Tür und begrüßt dann den Besuch.
- Er braucht Familienanschluss. Der CfBrH schreibt ausdrücklich, dass er sich nicht für die Zwingerhaltung eignet.
Mit Kindern ist er oft großartig. Wie jeder Hütehund kann er aber rennende Kinder umkreisen, anrempeln oder in die Fersen zwicken, wenn ihm niemand etwas anderes beibringt.
Größe und Aussehen
Ein schlanker, aktiver, mittelgroßer Hund, etwas länger als hoch (etwa 5 zu 4), mit doppeltem Haarkleid: weiche, dichte Unterwolle und flaches, harsches, zotteliges Deckhaar. Der typische Bart wächst von Wangen, Lippen und Kinn. Laut Standard darf das Fell in keiner Weise getrimmt werden. Farben: schiefergrau, rötlich-falb, schwarz, blau, alle Grautöne, braun und sandfarben, mit oder ohne weiße Abzeichen; Merle ist ausgeschlossen. Die meisten Welpen kommen dunkel zur Welt, hellen als Junghunde stark auf und dunkeln später teilweise wieder nach.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 53-56 cm | 51-53 cm |
| Gewicht | ca. 20-25 kg | ca. 20-25 kg |
| Lebenserwartung | 12-14 Jahre | 12-14 Jahre |
| Fell | lang, harsches Deckhaar, weiche Unterwolle | gleich |
Der Standard nennt kein Gewicht; die Werte sind übliche Angaben aus Rasseporträts.
Bewegung und Alltag
Ein energiegeladener Hütehund. Der BCCD rät, pro Tag mindestens zwei Stunden für Spaziergänge einzuplanen. Dazu Freilauf, Ballspiele, Wanderungen, Hundesport. Regen und Schnee machen ihm nichts aus, und er bringt alles davon mit ins Haus: Matsch, Kletten, Schneeklumpen im Fell, nasser Bart am Wassernapf. Der Club nennt die Beardies dann "kleine Schlammmonster".
Eine Stadtwohnung ohne Garten passt schlecht. Ein unterforderter Beardie wird laut und erfinderisch. Als Ausgleich eignen sich Hüten, Agility, Obedience, Rally Obedience und Treibball.
Erziehung
Was funktioniert: frühe Sozialisierung, kurze Einheiten, positive Verstärkung und viel Geduld. Der CfBrH schreibt, meist reichten leise, aber konsequente Töne. Harte Methoden gehen bei diesem sensiblen Hund nach hinten los.
Typische Schwierigkeiten:
- Eine lange Pubertät mit selektivem Hören, oft genau im Fellwechsel.
- Bellen vor Freude, beim Spiel oder an der Tür. Bring früh ein Ruhesignal bei.
- Hüteverhalten gegenüber Kindern, Radfahrern und anderen Tieren.
- Rückruf bei Ablenkung. Ab dem ersten Tag üben.
Pflege
Das ist für viele Interessenten der entscheidende Punkt. Der BCCD rechnet je nach Fellstruktur mit einmal wöchentlich bis alle zwei Wochen ein bis zwei Stunden Bürsten, Lage für Lage bis auf die Haut. Filz bildet sich schnell hinter den Ohren, in den Achseln, am Bauch und an den Läufen. Zur Pflege gehören auch Ohren, Augen, Zähne und Krallen.
Die anstrengendste Phase ist der Fellwechsel vom Welpen- zum Erwachsenenfell, meist zwischen 9 und 18 Monaten. Dann verfilzt das Fell fast täglich, und es muss deutlich öfter gebürstet werden. Laut Standard bleibt das Fell ungetrimmt; die Haare zwischen den Ballen kürzen viele Halter trotzdem. Wer nicht selbst bürsten will, sollte einen Hundefriseur einplanen.
Gesundheit
Der Beardie gilt als robust, einige Probleme sind aber dokumentiert:
- Schilddrüsenunterfunktion (Autoimmunthyreoiditis). Der amerikanische Rasseclub empfiehlt für Zuchthunde jährliche Schilddrüsentests bis zum Alter von 5 Jahren, danach alle 2 Jahre.
- Morbus Addison (Nebennierenrindeninsuffizienz). Der Beardie gehört zu den disponierten Rassen. In einer Gesundheitsumfrage von 2019 unter 3.072 Bearded Collies waren 3,1 % betroffen. Einen Gentest gibt es nicht; die Anzeichen sind unspezifisch: Schwäche, Erbrechen, Gewichtsverlust.
- Weitere Autoimmunerkrankungen. In derselben Umfrage hatten 11,1 % der Hunde irgendeine Autoimmunerkrankung. Auch die Krallenerkrankung SLO (symmetrische lupoide Onychodystrophie) kommt vor.
- Hüftgelenksdysplasie (HD), seltener Ellbogendysplasie (ED).
- Augenerkrankungen, die bei regelmäßigen Untersuchungen beim Tieraugenarzt erkannt werden.
Frag für beide Elterntiere nach HD-Befund, möglichst ED-Befund, aktueller Augenuntersuchung und Schilddrüsenwerten.
Kosten
Bei einem VDH-Züchter liegt ein Welpe meist bei 1.300 bis 2.000 €. Es gibt nur wenige Würfe, Wartelisten sind normal. Vorsicht bei Inseraten ohne Papiere zu Schnäppchenpreisen: Unter dem Namen werden oft Mischlinge oder Welpen aus dem illegalen Welpenhandel angeboten.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund von 20-25 kg) | 400-600 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. ca. 80-150 € |
| Hundehaftpflicht | ca. 60-80 € |
| Tierarzt (Durchschnitt über ein Hundeleben) | ca. 400-500 € |
| Hundefriseur (optional) | einige Termine, je ca. 60-100 € |
Auf den Rasselisten der Bundesländer steht der Bearded Collie nicht. Mit 51-56 cm gilt er in NRW aber als "großer Hund" (ab 40 cm oder 20 kg): Anzeige bei der Behörde, Sachkundenachweis, Haftpflicht und Chip sind Pflicht. In Niedersachsen brauchen alle neuen Halter einen Sachkundenachweis, und die Hundehaftpflicht ist in mehreren Bundesländern vorgeschrieben. Eine Krankenversicherung lohnt sich: Addison oder Schilddrüse bedeuten lebenslang Medikamente.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- aktiven Familien mit Kindern, am besten mit Garten
- Menschen, die gern bürsten oder den Hundefriseur bezahlen
- allen, die einen fröhlichen, freundlichen Begleiter für Wanderungen und Hundesport suchen
- kühlem, wechselhaftem Klima; lange heiße Sommer verträgt das Fell schlecht
Passt nicht zu:
- Haushalten, in denen Matsch und Haare auf dem Boden stören
- Menschen, die einen ruhigen Hund oder einen Wachhund wollen
- kleinen Wohnungen und Haltern, die den ganzen Tag weg sind. Ähnlicher Look mit weniger Bewegungsbedarf: Tibet-Terrier; größerer Zottelhüter: Bobtail; mehr Arbeitstrieb: Border Collie