Herkunft und Geschichte
Der Azawakh ist ein hochbeiniger, sehr schlanker Windhund aus der südlichen Sahara und dem Sahel. Seinen Namen hat er vom Azawakh-Tal, einem langen, ausgetrockneten Flusstal im Grenzgebiet von Mali und Niger. Dort hielten ihn Nomaden, Tuareg, Dahoussahaq und Peul, für die Jagd auf Gazellen und Hasen und als Wächter des Lagers gegen Schakale und Hyänen. Die Tuareg nennen ihn "Oska", der DWZRV übersetzt seinen dortigen Namen "Idii n'illeli" mit "Windhund der Freien". Er lebte mit der Familie im Zelt, nicht im Zwinger.
Die europäische Kynologie nahm ihn erst um 1968 wahr, als die ersten Hunde nach Frankreich und ins damalige Jugoslawien kamen. Aus deren Nachzucht und einzelnen Direktimporten ab 1985 stammt der größte Teil der europäischen Population. Anfangs galt er als Spielart des Sloughi, wurde dann aber als eigene Rasse abgetrennt. Weil Mali und Niger keinen FCI-Verband haben, liegt das Patronat bei Frankreich. Es gilt der FCI-Standard Nr. 307, Gruppe 10 (Windhunde), Sektion 3 (Kurzhaarige Windhunde), ohne Arbeitsprüfung, in der Fassung von 2019.
In Deutschland betreut der Deutsche Windhundzucht- und Rennverband e.V. (DWZRV) den Azawakh im VDH, zusammen mit allen anderen Windhundrassen. Er führt das Deutsche Windhund-Zuchtbuch, veranstaltet Ausstellungen, Rennen und Coursings und veröffentlicht auf seiner Website eine Züchterliste, Deckrüden und Wurfmeldungen. Die Liste ist kurz: Derzeit stehen dort sechs Azawakh-Zuchtstätten.
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt ihn als schnell, aufmerksam und distanziert, Fremden gegenüber oft sehr zurückhaltend, zu seiner Familie und zu Menschen, die er akzeptiert, aber sanft und anhänglich. Im Alltag heißt das:
- Er ist ein Familienhund. Er sucht engen Kontakt zu seinen Menschen und ist laut DWZRV für Zärtlichkeiten jeder Art sehr empfänglich. Ein Hund, der jeden Besucher begrüßt, ist er nicht.
- Er ist wachsam. Gezüchtet, um ein Nomadenlager zu bewachen, meldet er Fremde und stellt sich auch mal zwischen dich und den Besuch. Gute Sozialisierung verhindert, dass daraus Misstrauen wird.
- Er ist ein Windhund. Alles Kleine, das rennt, löst die Hetze aus, Katzen und Kaninchen eingeschlossen.
- Er ist feinfühlig. Der DWZRV schreibt, er registriere kleinste Nuancen in der Stimmung seines Menschen. Eine zu harte Hand macht ihn unsicher oder abwehrend.
Mit Kindern, mit denen er aufwächst, ist ein gut sozialisierter Azawakh laut DWZRV unproblematisch und rücksichtsvoll. Wildes Spiel und fremde Kinder, die ihn anfassen wollen, mag er aber nicht.
Größe und Aussehen
Auffallend hoch und schlank: Der Körper passt in ein hochgestelltes Rechteck, er ist also höher als lang, mit langen Läufen, tiefer Brust, stark aufgezogenem Bauch und Hüfthöckern mindestens auf Widerristhöhe. Knochen und Muskeln zeichnen sich unter der dünnen Haut ab. Ein gut trainierter Azawakh wirkt auf viele Menschen zu dünn, das ist aber rassetypisch. Das Haar ist kurz und fein, am Bauch fast fehlend. Die feinen Ohren hängen flach am Kopf, die Bewegung ist leicht und federnd.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 64-74 cm | 60-70 cm |
| Gewicht | 20-25 kg | 15-20 kg |
| Lebenserwartung | 12-15 Jahre | 12-15 Jahre |
| Fell | kurz, fein, Bauch fast unbehaart | ebenso |
Höhen und Gewichte stammen aus dem FCI-Standard, der 2 cm Toleranz nach oben und unten zulässt. Erlaubt ist nur Falb, von hellem Sand bis Mahagoni, mit oder ohne schwarze Stromung, mit weißen Abzeichen an Brust und Läufen; an jedem Lauf soll zumindest eine Spur Weiß sein. Blau, Lila oder Weiß, das sich über Rumpf oder Hals ausdehnt, sind laut Standard ausschließende Fehler.
Bewegung und Alltag
Rechne mit mindestens einer Stunde Bewegung am Tag: zügige Spaziergänge an der Leine und regelmäßig ein echter Sprint auf einer sicher eingezäunten Fläche. Allein im Garten bewegt er sich kaum, er rennt mit dir oder mit einem anderen Hund.
Die beste Auslastung bieten Rennen und Coursing in einem DWZRV-Verein. Für eine Renn- oder Coursinglizenz des VDH braucht dein Hund zwei Sololäufe und zwei Läufe mit anderen Hunden, abgenommen von einem lizenzierten Funktionär. Bei großen Rassen wie dem Azawakh liegt das Mindestalter für Rennen bei 18 Monaten, Trainingsläufe sind bis zu drei Monate früher erlaubt. Jagen darfst du mit ihm nicht: Die Hetzjagd auf Wild ist nach § 19 Bundesjagdgesetz verboten.
Für den mitteleuropäischen Winter ist er nicht gebaut. Dünne Haut, kaum Unterhautfett, keine Unterwolle: Ein Mantel für kalte und nasse Tage und ein weicher, warmer Liegeplatz gehören zur Grundausstattung. In vielen Bundesländern gilt in der Brut- und Setzzeit Leinenpflicht in der freien Landschaft.
Erziehung
Für einen Windhund ist der Azawakh laut DWZRV gut erziehbar, auch wenn das Geduld und Einfühlungsvermögen braucht. Was funktioniert: kurze Einheiten, Futterbelohnung, ruhige Stimme, früh eine Welpengruppe mit positiv arbeitendem Trainer und viel Sozialisierung im ersten Jahr.
Typische Schwierigkeiten:
- Rückruf. Monatelang an der Schleppleine üben und akzeptieren, dass ein flüchtender Hase meistens gewinnt. Laut DWZRV ist er beim jagdbaren Wild schwer zu bremsen.
- Misstrauen gegenüber Fremden. Viele ruhige, freundliche Menschen und Orte in den ersten Lebensmonaten, und in der Pubertät dranbleiben. Einen scheuen Welpen nie in fremde Hände drängen.
- Wachverhalten. Ruhiges Beobachten belohnen, Dauerbellen früh unterbrechen.
- Tierarzt und Pflege. Behandlungstisch, Krallenschneiden und Abtasten früh und spielerisch üben.
Pflege
Sehr einfach. Laut DWZRV genügt gelegentliches Abwischen mit einem feuchten Leder oder einem Noppenhandschuh. Er riecht kaum und muss selten gebadet werden. Krallen regelmäßig kürzen, damit die federnde Bewegung erhalten bleibt. Die dünne Haut reißt leicht ein, deshalb nach dem Rennen auf Schrammen kontrollieren.
Gesundheit
Der Azawakh gilt als robust, die Zuchtbasis in Europa ist aber klein. Der amerikanische Rasseklub nennt als bekannte Probleme:
- Epilepsie und Krampfanfälle, in manchen Linien. Einen Vorsorgetest gibt es nicht.
- Schilddrüsenunterfunktion, oft autoimmun. Windhunde haben von Natur aus niedrigere Schilddrüsenwerte, die Befunde gehören deshalb in die Hand eines windhunderfahrenen Tierarztes.
- Myositis der Kaumuskulatur, eine autoimmune Entzündung der Kaumuskeln, die früh behandelt werden sollte.
- Spinalkanalstenose, eine Verengung des Wirbelkanals, die Schmerzen oder Schwäche verursachen kann.
- Weitere Autoimmunerkrankungen.
Der AKC nennt außerdem Herzprobleme. Wie andere Windhunde hat er kaum Körperfett, sag deshalb jedem neuen Tierarzt vor einer Narkose Bescheid. Der DWZRV schreibt für den Azawakh keine Gesundheitsuntersuchungen vor. Für die Ankörung ab 15 Monaten braucht der Hund eine Verhaltens- und Formwertbeurteilung, einen Ausstellungsbericht mit "Sehr Gut" oder "Vorzüglich" und einen DNA-Fingerprint. Eine Hündin muss beim ersten Decken mindestens 22 Monate alt sein und darf das 8. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Frag trotzdem nach Schilddrüsenwerten, Herzuntersuchung und Anfällen in der Verwandtschaft.
Kosten
Azawakh-Welpen sind in Deutschland selten, eine Warteliste oder ein Welpe aus Frankreich oder einem anderen Nachbarland ist normal. Ratgeber nennen meist 1.500 bis 2.500 € für einen Welpen aus seriöser Zucht, einzelne bis 3.000 €. Erste Anlaufstelle sind Züchterliste und Wurfmeldungen des DWZRV. Billige "Azawakh" ohne VDH- oder FCI-Papiere sind ein Warnsignal.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund von 15-25 kg) | 350-550 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. 120 € in Berlin, 100 € in München (ab 2027 sind 144 € geplant) |
| Hundehaftpflicht | ca. 70 € |
| Tierarzt, Impfungen, Parasitenschutz | 300-450 € |
| Mantel, Vereinsbeitrag, Renn- und Coursinggebühren | 100-300 € |
Auf den Rasselisten der Bundesländer steht der Azawakh nicht. In NRW gilt ein Hund ab 40 cm Widerristhöhe oder 20 kg als "großer Hund", und das trifft auf jeden standardgerechten Azawakh zu: Anzeige beim Ordnungsamt, Sachkundenachweis, Haftpflicht und Chip sind dann Pflicht. In Niedersachsen braucht einen Sachkundenachweis, wer in den letzten zehn Jahren nicht mindestens zwei Jahre lang einen Hund gehalten hat; die Hundehaftpflicht ist dort und in mehreren anderen Bundesländern vorgeschrieben.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- erfahrenen Haltern, die Windhunde oder ursprüngliche Rassen kennen
- Läufern und aktiven Menschen mit Zugang zu einer eingezäunten Fläche oder einem Windhundverein
- ruhigen Haushalten mit Erwachsenen, die einen anhänglichen, wachsamen Begleiter suchen
- allen, die ein pflegeleichtes, fast geruchloses Fell schätzen
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern und Menschen, die einen leicht führbaren Hund suchen
- Haushalten mit Katzen, Kaninchen oder anderen Kleintieren
- Haltern, die von Freilauf im offenen Gelände träumen
- Menschen, die einen Hund für draußen oder einen Zwinger suchen. Wer einen umgänglicheren, kleineren Windhund sucht, sollte sich den Whippet ansehen; einen ruhigeren großen Windhund findest du im Greyhound, einen ähnlichen Wüstenwindhund mit weicherem Fell im Saluki