Herkunft und Geschichte
Der Sloughi, auch Arabischer oder Berber-Windhund genannt, ist der kurzhaarige Windhund Nordafrikas. Seit Jahrhunderten halten ihn Berber und Beduinen in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen für die Hetzjagd auf Hase, Fuchs, Schakal und Gazelle. Anders als andere Hunde gilt er dort bis heute als "asil", als rein. Der französische General Eugène Daumas beschrieb 1853, wie der Sloughi im Zelt an der Seite seines Herrn schlief, das beste Futter bekam und nach seinem Tod beweint wurde; der DWZRV zitiert ihn bis heute.
Sloughi und Saluki tragen im Grunde denselben arabischen Namen für Windhund, sind aber zwei Rassen: Der Saluki stammt aus dem Nahen Osten und hat oft befederte Ohren und Rute, der Sloughi ist immer glatthaarig. Der FCI-Standard sagt es deutlich: Den Sloughi gibt es nur in einer einzigen, kurzhaarigen Varietät. Der Azawakh aus dem Sahel weiter südlich wurde in Europa anfangs als Spielart des Sloughi ausgestellt und erst später als eigene Rasse abgetrennt.
Die FCI hat den Sloughi im November 1934 endgültig anerkannt. Das Patronat liegt bei Marokko, wo heute die meisten Sloughis leben. Es gilt der FCI-Standard Nr. 188, Gruppe 10 (Windhunde), Sektion 3 (Kurzhaarige Windhunde), ohne Arbeitsprüfung, in der Fassung von 1998.
In Deutschland betreut der Deutsche Windhundzucht- und Rennverband e.V. (DWZRV) den Sloughi im VDH. Die ersten fünf Sloughis stehen in Band II des Deutschen Windhund-Zuchtbuchs von 1921, der erste davon aus einer Zucht des Berliner Zoologischen Gartens. Die heutige Zuchtperiode begann 1971. Die Züchterliste des DWZRV nennt derzeit sechs Zuchtstätten.
Wesen und Charakter
Laut FCI-Standard ist der Sloughi edel und stolz, dabei aber sehr an seinen Herrn gebunden, den er im Notfall verteidigt. Im Alltag heißt das:
- Er ist ein Familienhund. Der DWZRV nennt ihn einen zärtlichen Familienhund, der sich eng an seine Menschen anschließt. Längeres Alleinsein oder Haltung in einem separaten Bereich passen laut DWZRV nicht zu ihm.
- Er ist zurückhaltend. Freunde der Familie begrüßt er freudig, Fremden gegenüber bleibt er reserviert, wenn die Sympathie nicht überspringt.
- Er ist ein Windhund. Der Jagdtrieb ist stark. Mit Katzen, mit denen er aufwächst, kann es klappen, Kaninchen und fremde Katzen draußen sind Beute.
- Er ist wachsam. Bei Gelegenheit kann er laut DWZRV durchaus wachsam sein und Schutztrieb entwickeln, ein Wachhund ist er aber nicht.
- Er ist feinfühlig. In der Familie reichen leise Töne, Blicke und kleine Gesten. Laute Worte und eine harte Hand verletzen ihn.
Kleine Kinder behandelt der Sloughi laut DWZRV mit Geduld und freundlicher Nachsicht. Mit anderen Hunden verträgt er sich meist gut, viele Halter haben deshalb bald einen zweiten.
Größe und Aussehen
Ein schlanker, eleganter Windhund mit fast quadratischem Körper: Die Rumpflänge beträgt etwa 96 Prozent der Widerristhöhe, dazu lange Läufe, eine Brust, die kaum bis zum Ellbogen reicht, ein stark aufgezogener Bauch und Hüfthöcker auf Widerristhöhe oder leicht darüber. Knochen und lange, flache Muskeln zeichnen sich unter der feinen Haut ab. Der Kopf ist lang und keilförmig, die Ohren hängen anliegend, die großen dunklen Augen geben ihm den typischen melancholischen Ausdruck. Die dünne Rute wird tief getragen, ihre Spitze bildet eine deutliche Biegung.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 66-72 cm | 61-68 cm |
| Gewicht | ca. 18-29 kg | ca. 18-29 kg |
| Lebenserwartung | 10-15 Jahre | 10-15 Jahre |
| Fell | sehr kurz, dicht, fein | ebenso |
Die Höhen stammen aus dem FCI-Standard, der kein Gewicht nennt; Gewicht und Lebenserwartung sind die Angaben des AKC. Die Farben reichen von hellem Sand bis Rotsand, mit oder ohne schwarze Maske, schwarzen Mantel, schwarze Stromung oder schwarze Wolkung. Ein kleiner weißer Fleck an der Brust ist ein Fehler, weiße Strümpfe und größere weiße Abzeichen sind ausschließende Fehler.
Bewegung und Alltag
Der Sloughi liebt laut DWZRV jede Art von Bewegung. Rechne mit mindestens einer Stunde am Tag: Spaziergänge, Joggen oder Radfahren an der Leine und regelmäßig ein echter Galopp auf einer sicher eingezäunten Fläche. Ein eingezäuntes Grundstück ist ideal, noch besser mit einem zweiten Hund zum Rennen.
Ob er frei laufen darf, hängt laut DWZRV von der Umgebung und vom Wild ab. Ein Sloughi, der einen Hasen sieht, ist in Sekunden weg. Die sichere Alternative sind Rennen und Coursing in einem DWZRV-Verein. Für eine Renn- oder Coursinglizenz des VDH braucht dein Hund zwei Sololäufe und zwei Läufe mit anderen Hunden; bei großen Rassen liegt das Mindestalter für Rennen bei 18 Monaten. Jagen darfst du mit ihm nicht: Die Hetzjagd auf Wild ist nach § 19 Bundesjagdgesetz verboten.
Im Haus ist er ruhig und sauber, der DWZRV hält ihn deshalb auch in der Wohnung für problemlos. Starke Temperaturschwankungen kennt er aus seiner Heimat und kommt laut DWZRV auch mit dem deutschen Klima gut zurecht. Bei nasskaltem Wetter schadet ein Mantel trotzdem nicht. In vielen Bundesländern gilt in der Brut- und Setzzeit Leinenpflicht in der freien Landschaft.
Erziehung
Der Sloughi ist laut DWZRV lernbereit, mit dem richtigen Ton und mit Belohnung erreicht man viel. Geduld und Konsequenz sind die Zauberformel, Parieren auf Kommando funktioniert dagegen nicht. Was hilft: kurze Einheiten, Futterbelohnung, ruhige Stimme und eine Welpengruppe mit positiv arbeitendem Trainer.
Typische Schwierigkeiten:
- Rückruf. Monatelang an der Schleppleine üben und in der Nähe von Straßen und Wild nie darauf vertrauen.
- Zurückhaltung gegenüber Fremden. Viele ruhige, freundliche Menschen, Orte und Hunde in den ersten Lebensmonaten, und in der Pubertät dranbleiben. Einen scheuen Welpen nie in fremde Hände drängen.
- Empfindlichkeit. Schimpfen und Druck bewirken das Gegenteil. Wer laut wird, verliert das Vertrauen seines Sloughis.
- Tierarzt und Pflege. Behandlungstisch, Krallenschneiden und Abtasten früh und spielerisch üben.
Pflege
Kaum ein Thema. Sloughis sind laut DWZRV von sich aus reinlich und putzen ihr kurzes, feines Fell wie Katzen. Gelegentlich mit einem Noppenhandschuh über Hals und Rücken streifen genügt, im Fellwechsel etwas öfter. Ohren regelmäßig kontrollieren und die Krallen kurz halten. Beim Futter rät der DWZRV, den Sloughi nicht zu kalorien- und eiweißreich zu ernähren.
Gesundheit
Der Sloughi gilt als gesunde, robuste Rasse. Der amerikanische Rasseklub nennt als bekannte Probleme Krebs und, seltener, Autoimmunerkrankungen und das Wobbler-Syndrom (eine Erkrankung der Halswirbel). Wichtig für Käufer in Deutschland:
- Progressive Retinaatrophie (PRA). Eine erbliche Netzhauterkrankung, die zur Erblindung führt; das Sehvermögen lässt meist ab etwa zwei Jahren nach. Sie wird rezessiv vererbt, ein DNA-Test ist verfügbar.
- SRMA (Steroid-responsive Meningitis-Arteriitis). Eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute mit Fieber und Nackenschmerzen, meist zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat. Der DWZRV kennt zwei gesicherte Fälle bei Sloughi-Wurfgeschwistern aus einem Wurf von 2015. Seit 2019 sind erkrankte Hunde und ihre Eltern von der Zucht ausgeschlossen, Vollgeschwister dürfen erst mit fünf Jahren und nur mit Sondergenehmigung in die Zucht.
- Enger Genpool. Laut DWZRV-Körkommission lag der Inzuchtzuwachs über fünf Generationen beim Sloughi in den fünf Jahren vor 2019 nur in einem Jahr unter 2,5 Prozent.
Für die Ankörung ab 15 Monaten verlangt der DWZRV eine Verhaltens- und Formwertbeurteilung, einen Ausstellungsbericht mit "Sehr Gut" oder "Vorzüglich", einen DNA-Fingerprint und den PRA-Status. Zur Zucht zugelassen sind nur PRA-freie Hunde und Träger, ein Träger darf nur mit einem freien Partner verpaart werden. Eine Hündin muss beim ersten Decken mindestens 22 Monate alt sein und darf das 8. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
Kosten
Sloughi-Welpen sind in Deutschland selten, eine Warteliste oder ein Welpe aus Frankreich oder den Niederlanden ist normal. Feste Preise veröffentlichen weder DWZRV noch Züchter; französische Ratgeber nennen 1.200 bis 1.500 € für einen Welpen mit Papieren. Plane mit etwa 1.200 bis 2.000 €, dazu Fahrtkosten. Erste Anlaufstelle sind Züchterliste und Wurfmeldungen des DWZRV. Billige "Sloughis" ohne VDH- oder FCI-Papiere sind ein Warnsignal.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund von 18-29 kg) | 400-600 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. 120 € in Berlin, 100 € in München (ab 2027 sind 144 € geplant) |
| Hundehaftpflicht | ca. 70 € |
| Tierarzt, Impfungen, Parasitenschutz | 300-450 € |
| Mantel, Vereinsbeitrag, Renn- und Coursinggebühren | 100-300 € |
Auf den Rasselisten der Bundesländer steht der Sloughi nicht. In NRW gilt ein Hund ab 40 cm Widerristhöhe oder 20 kg als "großer Hund", und das trifft auf jeden standardgerechten Sloughi zu: Anzeige beim Ordnungsamt, Sachkundenachweis, Haftpflicht und Chip sind dann Pflicht. In Niedersachsen braucht einen Sachkundenachweis, wer in den letzten zehn Jahren nicht mindestens zwei Jahre lang einen Hund gehalten hat; die Hundehaftpflicht ist dort und in mehreren anderen Bundesländern vorgeschrieben.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- erfahrenen Haltern, die Windhunde und ihre Eigenständigkeit kennen
- Läufern und aktiven Menschen mit Zugang zu einer eingezäunten Fläche oder einem Windhundverein
- ruhigen Haushalten, die drinnen einen stillen, sauberen und anhänglichen Begleiter suchen
- allen, die ein pflegeleichtes Fell schätzen
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern und Menschen, die einen gehorsamen, leicht führbaren Hund suchen
- Haushalten mit Kaninchen, Meerschweinchen oder anderen Kleintieren
- Haltern, die von Freilauf im offenen Gelände träumen
- Menschen, die den ganzen Tag außer Haus sind und den Hund lange allein lassen. Wer einen kleineren, unkomplizierteren Windhund sucht, sollte sich den Whippet ansehen; einen ruhigeren großen Windhund findest du im Greyhound, einen nahen Verwandten mit befederten Ohren im Saluki