Herkunft und Geschichte
Der Mittelschnauzer, im FCI-Standard schlicht "Schnauzer", ist der ursprüngliche Schnauzer: Zwerg- und Riesenschnauzer wurden erst später aus ihm gezüchtet. Er stammt aus Süddeutschland, wo er laut Standard als Stallhund lebte. Er fühlte sich bei Pferden wohl und machte blitzschnell Jagd auf Ratten und Mäuse, was ihm den Beinamen "Rattler" einbrachte.
Auf Ausstellungen lief er zunächst als rauhaariger Pinscher. Unter diesem Namen wurde er 1895 bei der Gründung des Pinscher-Schnauzer-Klubs eingetragen, erst 1917 wurde sein Name offiziell in Schnauzer geändert. 1907 gründeten Züchter in München einen eigenen Schnauzerklub, der später mit dem Pinscherklub fusionierte. Heute ist der Pinscher-Schnauzer-Klub 1895 e.V. (PSK) laut seiner Zuchtordnung der allein anerkannte Zuchtverein für Riesen-, Mittel- und Zwergschnauzer im VDH und führt das Zuchtbuch. Gültig ist der FCI-Standard Nr. 182, Gruppe 2, Sektion 1 (Pinscher und Schnauzer), ohne Arbeitsprüfung.
Selten ist er trotzdem: Zwischen 2007 und 2021 wurden in Deutschland pro Jahr nur 370 bis 582 Welpen eingetragen. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) führt den Schnauzer auf ihrer Roten Liste als gefährdete Rasse.
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt ihn als lebhaft und zugleich besonnen, gutmütig, verspielt und seinem Menschen sprichwörtlich treu. Er sei kinderlieb, unbestechlich und wachsam, ohne laut zu sein. Im Alltag heißt das:
- Er ist ein geborener Wachhund. Er bemerkt alles und meldet Besuch, bellt aber nicht ohne Grund. Fremde werden geprüft, nicht umarmt.
- Er ist klug und hat eine eigene Meinung. Er lernt schnell und testet danach, ob die Regeln noch gelten.
- Er ist ein Familienhund. Er bindet sich eng an seine Leute. Zwinger oder Garten statt Familienanschluss machen ihn unglücklich.
- Er ist immer noch Rattler. Hamster, Ratten und fremde Katzen sind Beute. Hühner brauchen einen Zaun.
Mit Kindern ist er meist geduldig und verspielt, solange er ausgelastet ist. Ein gelangweilter Schnauzer sucht sich selbst eine Aufgabe.
Größe und Aussehen
Mittelgroß, kräftig und quadratisch gebaut: Die Widerristhöhe entspricht fast der Rumpflänge. Das Haar ist drahtig, hart und dicht mit Unterwolle. Bart und buschige Augenbrauen geben der Rasse den Namen. Es gibt nur zwei Farben: reinschwarz und pfeffer-salz in Tönen von dunklem Eisengrau bis Silbergrau, immer mit dunkler Maske.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 45-50 cm | 45-50 cm |
| Gewicht | 14-20 kg | 14-20 kg |
| Lebenserwartung | 13-16 Jahre | 13-16 Jahre |
| Fell | rau, drahtig, mit Unterwolle | ebenso |
Größe und Gewicht stammen aus dem FCI-Standard, die Lebenserwartung vom AKC. Ohren und Rute bleiben natürlich: Der Standard verlangt Kippohren und eine natürliche Rute, und Kupieren ist in Deutschland verboten. Kupierte Hunde auf Fotos stammen meist aus den USA.
Bewegung und Alltag
Ein Arbeitshund im mittelgroßen Format. Rechne mit mindestens einer Stunde echter Bewegung am Tag, dazu Kopfarbeit. Eine Runde um den Block reicht nicht.
Gut passen: Wandern, Joggen nach dem Wachstum, Agility, Obedience, Rally Obedience, Mantrailing und Nasenarbeit. Eine Wohnung geht, wenn der Hund täglich richtig rauskommt, ein Haus mit eingezäuntem Garten ist einfacher. Achte auf den Zaun: Ein Rattenfänger gräbt gern.
Mit 45 bis 50 cm ist er in NRW ein "großer Hund" (ab 40 cm oder 20 kg, § 11 LHundG): Du musst ihn bei der Behörde anzeigen und Sachkunde, Zuverlässigkeit, Mikrochip und Haftpflicht nachweisen; innerhalb bebauter Ortsteile gilt Leinenpflicht. In Niedersachsen brauchst du als Ersthalter einen Sachkundenachweis (außer du hattest in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre lang einen Hund), außerdem sind Chip, Haftpflicht und die Anmeldung im Hunderegister Pflicht. Auf einer Rasseliste steht der Schnauzer in keinem Bundesland.
Erziehung
Der Schnauzer lernt schnell und langweilt sich schnell. Was funktioniert: kurze, abwechslungsreiche Einheiten, Belohnung, klare Regeln, die jeden Tag gelten, und eine Aufgabe. Was nicht funktioniert: endloses Wiederholen und harte Hand. Beides macht ihn stur statt gehorsam.
Typische Schwierigkeiten:
- Grenzen austesten. In der Pubertät prüft er, ob "Nein" noch Nein heißt. Konsequenz von allen in der Familie ist der ganze Trick.
- Wachen. Er entscheidet gern selbst, wer aufs Grundstück darf. Früh und viel mit Menschen, Orten und Besuch sozialisieren.
- Jagdtrieb auf Kleintiere. Mäuse, Eichhörnchen, Nachbars Katze. Rückruf an der Schleppleine aufbauen, bevor er frei läuft.
Pflege
Das Drahthaar haart kaum, deshalb wird die Rasse Allergikern oft empfohlen. Wirklich allergenfrei ist kein Hund: Verbring vorher Zeit mit Schnauzern.
Wenig Haarausfall heißt nicht wenig Arbeit. Ein- bis zweimal pro Woche bürsten und kämmen, Bart und Beinbehaarung öfter, denn der Bart sammelt Wasser und Futter. Damit Struktur und Pfeffer-Salz-Farbe erhalten bleiben, wird das Fell einige Male im Jahr getrimmt, also totes Haar ausgezupft. Viele Halter scheren stattdessen. Das ist einfacher, macht das Fell aber weicher und heller. Wer es nicht selbst lernt, zahlt den Hundefriseur.
Gesundheit
Der Schnauzer gilt als robust, ein paar Erkrankungen sind aber wichtig:
- Hüftgelenksdysplasie (HD). Der PSK schreibt für Schnauzer vor dem Zuchteinsatz ein HD-Röntgen ab 12 Monaten vor. Hunde mit HD-C, D oder E sind von der Zucht ausgeschlossen.
- Augenerkrankungen wie progressive Retinaatrophie (PRA) und Katarakt. Die PSK-Zuchtordnung von 2021 verlangt ab dem 15.10.2021 für alle Zuchthunde eine Augenuntersuchung durch einen DOK- oder ECVO-Tierarzt mit Befund "frei", gültig 24 Monate; die Regel war zunächst bis Ende 2025 befristet, frag beim Züchter nach dem aktuellen Stand.
- Dilatative Kardiomyopathie (DCM). Eine erbliche Herzerkrankung, die nur bei Mittel- und Riesenschnauzer per Gentest nachweisbar ist. Laut OFA zeigen betroffene Hunde meist mit 10 Monaten bis 2,5 Jahren Symptome, und die meisten leben danach nicht mehr lange.
Frag beim Züchter nach dem HD-Befund und der aktuellen Augenuntersuchung beider Eltern und nach einem DCM-Gentest. Der Gentest ist in der PSK-Zuchtordnung von 2021 nicht vorgeschrieben, der Nederlandse Schnauzer Club und der amerikanische Rasseclub empfehlen ihn aber ausdrücklich.
Kosten
Ein Welpe vom PSK-Züchter kostet meist rund 1.200 €, aus begehrten Linien auch mehr. Weil jährlich nur wenige hundert Welpen fallen, sind Wartelisten normal. Angebote "Schnauzer ohne Papiere" deutlich darunter sind ein Warnsignal.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund von 14-20 kg) | 400-500 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. 100 € in München |
| Hundehaftpflicht (in NRW und Niedersachsen Pflicht) | ca. 70 € |
| Tierarzt, Impfungen, Parasitenschutz | 300-500 € |
| Trimmen beim Hundefriseur (optional) | mehrere Termine im Jahr |
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- Aktiven Familien, die einen mittelgroßen Hund mit großem Selbstbewusstsein wollen
- Menschen, die gern trainieren und Hundesport machen
- Leichten Allergikern, die einen wenig haarenden Hund suchen
- Haushalten, die einen aufmerksamen Wächter ohne Schutzhundrasse wollen
Passt nicht zu:
- Haushalten mit Hamstern, Ratten oder frei laufenden Kleintieren
- Menschen, die einen Hund wollen, der ohne Diskussion gehorcht
- Menschen, die einen ruhigen Begleiter suchen oder keine Zeit für Fellpflege haben
Für die Stadtwohnung im kleineren Format: der Zwergschnauzer; für echten Dienst- und Schutzhundesport: der Riesenschnauzer; für einen größeren Allrounder mit Drahthaar: der Airedale Terrier.