Herkunft und Geschichte
Der Patterdale Terrier stammt aus dem Lake District im Norden Englands und ist nach dem Dorf Patterdale am Ullswater benannt. Gezüchtet wurde er für die Arbeit, nicht für den Ausstellungsring. Laut UKC-Standard geht er vor allem auf den schwarzen, glatthaarigen Fell Terrier zurück, der Füchse von den Schafen fernhalten sollte. Diese Terrier liefen bei der Jagd zu Fuß mit und sollten das Wild aus dem Bau sprengen oder, wenn es sich stellte, unter der Erde mit ihm fertigwerden. Gezüchtet wurde auf Mut, Ausdauer und eine Brust, die schmal genug für einen Fuchsbau ist, nicht auf Schönheit.
Als prägende Züchter gelten Jäger wie Joe Bowman, Cyril Breay und Frank Buck. Die Bezeichnungen gingen lange durcheinander: Laut Britannica hieß auch der Lakeland Terrier aus derselben Gegend früher Patterdale Terrier.
Eine anerkannte Rasse ist der Patterdale nur in den USA. Weder der britische Kennel Club noch die FCI erkennen ihn an; Purina nennt ihn in seinem britischen Rasseporträt "eher einen Typ als eine Rasse". Das erste Zuchtbuch führte der 1993 gegründete Patterdale Terrier Club of America (PTCA), der amerikanische United Kennel Club (UKC) erkannte die Rasse am 1. Januar 1995 an.
Für Käufer in Deutschland heißt das: Der VDH ist Mitglied der FCI, und kein VDH-Verein führt ein Zuchtbuch für den Patterdale. VDH-Papiere gibt es also nicht. Seriöse Züchter haben bestenfalls Papiere von PTCA oder UKC, viele Hunde stammen aus britischen Arbeitslinien ganz ohne Ahnentafel.
Wesen und Charakter
Der UKC-Standard nennt ihn einen "äußerst mutigen Arbeitsterrier", sehr arbeitswillig und mit großem Willen zu gefallen. Gegenüber Menschen, Nutztieren und anderen Hunden soll er friedlich sein. Trotzdem sagt der Standard offen, er sei "kein Hund für den durchschnittlichen Halter"; sein Mensch brauche Humor und müsse ein echtes Terrier-Temperament aushalten. Im Alltag heißt das:
- Er ist kein Hund für Kleinkinder. Für Familien vergibt Purina nur 1 von 5 Punkten: Er toleriere typisches Kleinkindverhalten schlecht. Besser passen ältere Kinder oder Jugendliche, die Regeln einhalten.
- Kleintiere sind Beute. Auch für andere Haustiere gibt Purina 1 von 5. Mit Hund oder Katze, mit denen er aufwächst, kann es klappen; Kaninchen und Meerschweinchen sind tabu. Der britische Tierversicherer Agria ergänzt, dass er ohne frühe Sozialisierung fremde Hunde angehen kann.
- Er meldet. Laut Purina ist er "gesprächig" und bellt bei Besuch und ungewohnten Geräuschen; Fremden gegenüber ist er laut Agria mitunter misstrauisch.
Größe und Aussehen
Ein kompakter, harter kleiner Terrier, quadratisch oder etwas länger als hoch, mit kleinen dreieckigen Kippohren. Das wichtigste Merkmal ist die Brust: Laut UKC muss ein Mann mittlerer Größe sie direkt hinter den Schultern mit beiden Händen umfassen können, und sie muss sich zusammendrücken lassen. Das Fell ist glatt, gebrochen (broken) oder rau, immer mit dichter Unterwolle. Erlaubt sind Schwarz, Rot, Leber/Schokolade, Grizzle, Schwarz-Loh und Bronze, einfarbig oder mit etwas Weiß an Brust und Pfoten.
| Patterdale Terrier | |
|---|---|
| Widerristhöhe | 25-38 cm (UKC und PTCA: 10-15 Zoll) |
| Gewicht | im Verhältnis zur Größe; ca. 5-7 kg (Agria; Purina UK: 5-6 kg) |
| Lebenserwartung | ca. 11-14 Jahre |
| Fell | glatt, gebrochen oder rau |
Weiß an anderen Stellen, etwa an Kopf oder Rumpf, führt laut UKC zur Disqualifikation, ebenso Albinismus, Bösartigkeit oder extreme Scheu. Narben aus der Jagd gelten als "ehrenvoll". Kupiert werden darf laut UKC höchstens ein Viertel bis ein Drittel der Rute, weil man den Hund daran aus dem Bau ziehen können muss.
Bewegung und Alltag
Purina empfiehlt ein bis zwei Stunden Spaziergang am Tag und warnt, dass Gehen allein selten reicht: Er braucht auch Such- und Jagdspiele und Training. Agria nennt mindestens eine Stunde intensive Bewegung, mehr sei besser. Gut geeignet sind Nasenarbeit, Mantrailing und Agility.
Laut Purina passt er besser aufs Land oder an den Stadtrand als in die Innenstadt. Der Garten muss sicher sein, denn er gräbt, klettert und springt. Freilauf in Wald und Feld ist riskant: Ein Terrier, der für die Arbeit unter der Erde gezüchtet wurde, folgt einer Spur auch in einen Bau. Eine Stadtwohnung geht nur mit sehr viel Auslastung, und langes Alleinbleiben liegt ihm nicht.
Erziehung
Purina gibt ihm für die Erziehbarkeit nur 1 von 5 Punkten: Sein Jagdtrieb konkurriert immer mit deinem Rückruf. Kurze Einheiten mit Futter und Spiel funktionieren, Härte macht einen harten Terrier nur härter.
Typische Baustellen:
- Rückruf. Vom Welpenalter an üben, im offenen Gelände an der Schleppleine führen.
- Andere Hunde und Buddeln. Volle Hundewiesen mit fremden Hunden meiden und eine erlaubte Buddelecke anbieten.
Pflege
Unkompliziert. Laut UKC braucht das Fell "sehr wenig Pflege". Purina empfiehlt, glattes Fell ein- bis zweimal pro Woche zu bürsten; gebrochenes und raues Haar profitiert gelegentlich vom Trimmen. Er haart mäßig (Purina: 2 von 5) und ist nicht allergikerfreundlich. Nach wilden Runden auf Schnitte, Dornen und Zecken kontrollieren.
Gesundheit
Eine große Gesundheitsstudie zum Patterdale gibt es nicht: Er ist in keinem FCI-Zuchtbuch erfasst, und die britischen VetCompass-Studien weisen ihn nicht gesondert aus. Das nennen die Quellen:
- Primäre Linsenluxation (PLL). Die Linse löst sich aus ihrer Aufhängung, das ist schmerzhaft und kann zur Erblindung führen. Purina nennt sie für die Rasse, und eine Studie in Veterinary Ophthalmology (Gould und Kollegen, 2011) fand erkrankte Patterdales, die die ADAMTS17-Mutation doppelt trugen, dieselbe wie beim Jack Russell. Es gibt einen Gentest.
- Patellaluxation, eine herausspringende Kniescheibe, genannt von Purina, Agria und Chewy.
- Haut und Ohren. In den britischen Schadensdaten von Agria stehen allergische Hauterkrankungen, Probleme an den Vorderbeinen, Ohrentzündungen (Otitis externa) und Juckreiz ganz oben.
- Übergewicht und Zähne. Agria warnt vor Übergewicht wegen des guten Appetits, Chewy nennt Parodontitis.
Kosten
Laut zooplus kostet ein Welpe etwa 800 bis 1.500 €, das deckt sich mit der Spanne von 700 bis 1.500 € auf dieser Seite. In Großbritannien, wo die meisten Patterdales leben, nennt Pets4Homes etwa 300 bis 700 £, Agria 400 bis 1.000 £. Ein Import ist deshalb verbreitet, aber nicht einfach. Der Kauf ist ein Besitzerwechsel und damit eine gewerbliche Verbringung, keine Reise mit dem eigenen Heimtier: Laut britischer Regierung braucht der Welpe die Exportgesundheitsbescheinigung 8454, die über das EU-System TRACES läuft, der Verkäufer muss registriert sein, und an einer Grenzkontrollstelle der EU wird der Hund kontrolliert. Außerdem muss er gechippt und frühestens mit 12 Wochen gegen Tollwut geimpft sein, danach gelten 21 Tage Wartezeit. Ein Welpe aus England kommt also frühestens mit etwa 15 Wochen. Vorsicht bei sehr jungen, billigen Welpen ohne Impfpass.
Laufende Kosten, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter, Tierarzt, Impfungen, Parasitenschutz, Zubehör | 750-1.200 € |
| zusätzlich: Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. 120 € in Berlin, 100 € in München (ab 2027: 144 €) |
| zusätzlich: Hundehaftpflicht | laut Stiftung Warentest für einen kleinen Hund wie den Jack Russell unter 40 € |
Tierarztbesuche sind seit der neuen Gebührenordnung (GOT) vom November 2022 spürbar teurer; eine OP- oder Krankenversicherung ist freiwillig und kommt obendrauf.
Auf keiner Rasseliste der Bundesländer steht der Patterdale. Mit 25-38 cm und 5-7 kg ist er in NRW auch kein "großer Hund". Das Kupieren der Rute ist nach § 6 Tierschutzgesetz grundsätzlich verboten; eine Ausnahme gilt nur für jagdlich zu führende Hunde, wenn der Eingriff für die Nutzung unerlässlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen. Kommt ein kupierter Hund aus England, gilt die Amputation in der Regel als tierschutzwidrig; dann darf er nach § 10 Tierschutz-Hundeverordnung nicht ausgestellt werden, auch nicht auf anderen Veranstaltungen, bei denen Hunde beurteilt werden.
Patterdale oder Jack Russell?
- Farbe. Der Patterdale ist laut UKC schwarz, rot, schokoladenbraun, grizzle, schwarz-loh oder bronze, mit wenig oder keinem Weiß; beim Jack Russell muss laut FCI-Standard Weiß überwiegen.
- Temperament. Purina gibt dem Patterdale je 1 von 5 Punkten für Familie, Erziehbarkeit und andere Haustiere, dem Jack Russell 5, 4 und 4. Der Patterdale ist der härtere Arbeitsterrier. Für Energie vergibt Purina dem Border Terrier 4 von 5, dem Jack Russell und dem Patterdale je 5.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- erfahrenen Terrierhaltern, die einen harten, eigenständigen Hund schätzen
- allen, die ein pflegeleichtes Fell wollen und auf Papiere keinen Wert legen
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern und Familien mit kleinen Kindern
- Haushalten mit Kaninchen, Meerschweinchen, Vögeln oder Katzen, mit denen er nicht aufgewachsen ist
- Käufern, die einen Welpen mit VDH-Papieren wollen. Gelassener und VDH-gezüchtet: der Border Terrier; ähnlich klein und jagdlich: der Jack Russell Terrier; aus derselben Region: der Lakeland Terrier; ein amerikanischer Farmterrier: der Rat Terrier.