Herkunft und Geschichte
Der Australian Terrier, kurz "Aussie", ist die erste in Australien entstandene Hunderasse und einer der wenigen Terrier, die nicht aus Großbritannien stammen. Der FCI-Standard führt ihn auf die "Broken Coated Terrier" in Tasmanien, New South Wales und Victoria zurück. Freie Siedler um Campbelltown und Ross auf Tasmanien züchteten schon Anfang des 19. Jahrhunderts rauhaarige Hunde mit blauem Körper und lohfarbenen Abzeichen, rund 4,5 kg schwer und als Wachhunde geschätzt. Als Zutaten nennt der Standard Skye, Scottish und Dandie Dinmont Terrier, später wurde immer wieder Yorkshire Terrier eingekreuzt. Aus demselben Stamm ging auch der Silky Terrier hervor.
Laut dem Klub für Terrier sollte der kleine, zähe Hund in einem rauen Land Vieh hüten und bei Gefahr wachsam reagieren. Farmer und Minenbesitzer schätzten vor allem, dass er Ratten und Schlangen blitzschnell tötete. Nach getaner Arbeit war er, so der AKC, ein anhänglicher Hausgenosse.
Der erste Rasseklub entstand 1887 in Melbourne. Nach Angaben des KfT wurde der erste Standard 1896 festgelegt; damals waren noch Steh- und Kippohren erlaubt, erst seit der Revision 1947 nur noch Stehohren. Der britische Kennel Club erkannte die Rasse 1933 an, der amerikanische AKC 1960, die FCI 1963. Es gilt der FCI-Standard Nr. 8, Gruppe 3 (Terrier), Sektion 2 (Niederläufige Terrier), ohne Arbeitsprüfung.
Nach Deutschland kam der Aussie erst Anfang der 1970er Jahre. Zuchtbuchführender VDH-Verein ist der Klub für Terrier von 1894 e. V. (KfT), der fast alle Terrierrassen betreut und eine Züchterliste, Welpenvermittlung und Deckmeldungen online stellt. Die Rasse ist hier sehr selten: Laut KfT-Zuchtstatistik fielen von 2014 bis 2020 jährlich nur 3 bis 9 Würfe mit 10 bis 43 Welpen.
Wesen und Charakter
Der amerikanische Kennel Club beschreibt ihn als mutig, anhänglich und temperamentvoll, mit "viel von der alten Terrier-Neugier und Zähigkeit". Der FCI-Standard nennt ihn "im Wesentlichen einen Arbeitsterrier", der wegen seiner Treue und seines ausgeglichenen Wesens auch ein guter Begleithund ist. Im Alltag heißt das:
- Er hängt sehr an seinen Menschen. Laut AKC ist er menschenbezogen und nicht glücklich, wenn er zu viel allein ist. Der KfT nennt ihn äußerst kinderlieb.
- Er ist ein echter Terrier. Der Drang, kleinen Tieren nachzujagen, hat ihn laut AKC nie verlassen. Hamster, Ratten, Kaninchen und Ziervögel sind Beute.
- Mit anderen Hunden ist er meist friedlich. Der KfT beschreibt ihn als im Allgemeinen verträglich. Der AKC rät trotzdem, einen zweiten Hund mit Bedacht einzugewöhnen.
- Er meldet zuverlässig. Der AKC gibt ihm 4 von 5 Punkten als Wachhund und 3 von 5 fürs Bellen: Besuch wird angekündigt, Dauerkläffen ist nicht typisch.
Ein Hund mit viel Tatendrang, der sich laut KfT im Haus trotzdem "ruhig und ausgeglichen" zeigt.
Größe und Aussehen
Ein kräftiger, niedrig gestellter Terrier, deutlich länger als hoch, mit langem, kräftigem Kopf, kleinen spitzen Stehohren und dunklen Augen. Typisch ist das Fell: hartes, gerades Deckhaar von etwa 6 cm mit kurzer weicher Unterwolle, eine ausgeprägte Halskrause, die bis zur Brust reicht, und ein weicher, heller Haarschopf auf dem Kopf. Fang, Unterläufe und Pfoten sind kurz behaart.
Zwei Farbschläge sind erlaubt. Blau mit Loh: Körper blau, stahlblau oder dunkel graublau, sattes Loh an Kopf, Ohren, Läufen und Unterseite, der Schopf blau oder silbern. Einfarbig rot oder sandfarben, ohne dunkle Schattierung; diese Hunde sind laut KfT eher selten. Weiße Abzeichen an Brust oder Pfoten sind fehlerhaft.
| FCI-Standard | AKC-Standard | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | ca. 25 cm, Hündinnen etwas weniger | ca. 25-28 cm |
| Gewicht | ca. 6,5 kg für Rüden, Hündinnen etwas weniger | ca. 6,8-9 kg |
| Lebenserwartung | ca. 11-15 Jahre | ca. 11-15 Jahre |
| Fell | hart, gerade, ca. 6 cm, weiche Unterwolle | ebenso |
Die Lebenserwartung von 11 bis 15 Jahren nennt der AKC. In einer britischen Umfrage unter Mitgliedern der Rasseklubs lag der Median bei gut 12 Jahren.
Bewegung und Alltag
Der AKC gibt ihm 3 von 5 Punkten für Energie und für den Bedarf an Kopfarbeit, betont aber, dass Terrier allgemein viel Energie haben und Langeweile zu unerwünschtem Verhalten führt. Tägliche Spaziergänge plus Spiel und Suchaufgaben sind das Minimum. Laut AKC passt er sich fast jeder Wohnform an, auch einer Stadtwohnung, solange Körper und Kopf genug zu tun bekommen.
Schwierig ist der Freilauf. Der AKC schreibt, ein Aussie solle nie frei laufen: Er könnte einer Katze oder einem Eichhörnchen so weit folgen, dass er nicht mehr nach Hause findet. Also an der Leine oder Schleppleine, Spiel im sicher eingezäunten Garten. Viele Aussies sind gute Sporthunde; im KfT gibt es Agility, Obedience und Rally Obedience, und Nasenarbeit liegt ihm sowieso.
Erziehung
Laut AKC lernt er schnell, denkt aber selbstständig und braucht eine "feste, konsequente" Linie. Routine langweilt ihn, kurze Einheiten sind deshalb Pflicht. Der KfT schreibt, seine Erziehung bereite keine Schwierigkeiten, wenn man früh beginnt und "liebevoll und geduldig" seine Vorstellungen durchsetzt. Futter, Spielzeug und Lob funktionieren, Härte nicht.
Typische Schwierigkeiten:
- Rückruf bei Wild. Schleppleine im offenen Gelände, und kein Vertrauen auf den Rückruf, wenn ein Kaninchen losrennt.
- Buddeln. Er wurde zur Bekämpfung von Ungeziefer gezüchtet; eine erlaubte Buddelecke anbieten und den Zaun prüfen.
- Melden. Einmal bedanken, dann abrufen und Ruhe belohnen.
- Begegnungen mit anderen Hunden. Früh und gut sozialisieren, Begrüßungen mit großen, ruppigen Hunden kurz halten. Eine Welpengruppe hilft.
Pflege
Einfach, aber nicht ganz ohne Aufwand. Laut KfT soll das harsche Doppelhaar weitgehend naturbelassen bleiben: Bürsten, Kämmen und gelegentliches Auszupfen unordentlich abstehender Haare reichen. Der AKC empfiehlt einmal pro Woche Bürsten und rät, die langen Haare vor und zwischen den Augen auszuzupfen, weil sie die Augen reizen können. Die Ohren werden kurz gehalten. Geschoren wird er nicht.
Gebadet wird nur bei Bedarf. Shampoo macht das harte Haar weich, dann hält es Schmutz schlechter ab, und zu häufiges Baden trocknet die Haut aus. Er haart sehr wenig, steht aber nicht auf der Liste der allergikerfreundlichen Rassen des AKC. Krallen regelmäßig kürzen, Ohren kontrollieren.
Gesundheit
Der AKC beschreibt den Aussie als allgemein gesund und "sehr robust". Vorkommen können:
- Patellaluxation (herausspringende Kniescheibe), typisch für kleine Rassen.
- Morbus Legg-Calvé-Perthes, eine Hüfterkrankung, die sich bei jungen Hunden durch Lahmen und Schmerzen zeigt.
- Diabetes. In der Gesundheitsumfrage des amerikanischen Rasseklubs von 2002 war es die am häufigsten genannte Erkrankung. Viel Trinken und häufiges Urinieren sind ein Grund für den Tierarzt.
- Allergien der Haut und des Verdauungstrakts sowie Schilddrüsenerkrankungen.
- Übergewicht. Laut AKC nehmen manche leicht zu, Futter und Leckerli also abmessen.
Der amerikanische Rasseklub empfiehlt für Zuchthunde drei Untersuchungen: Patella, Schilddrüse und eine Augenuntersuchung. Die Zucht-Ordnung des KfT (Stand Januar 2026) schreibt für den Australian Terrier keine rassespezifische Untersuchung vor, nur die allgemeine Zuchtzulassung. Frag den Züchter deshalb gezielt, welche Befunde beide Eltern haben, mindestens zur Patella.
Kosten
Weil es nur wenige Würfe im Jahr gibt, sind Wartelisten normal, und Preise werden selten veröffentlicht. Ratgeber nennen für einen Welpen aus seriöser Zucht ab etwa 1.000 €; der VDH rechnet vor, dass ein Welpe aus verantwortungsvoller Zucht 1.300 bis 1.500 € kosten muss, damit der Züchter nicht draufzahlt. Rechne also mit etwa 1.000 bis 1.800 €. Erste Anlaufstelle sind die Züchterliste und die Welpenvermittlung des KfT. Deutlich billigere Welpen ohne Ahnentafel sind ein Warnsignal.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund von 6-9 kg) | 150-300 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. 120 € in Berlin, 100 € in München |
| Hundehaftpflicht | ca. 60 € |
| Tierarzt, Impfungen, Parasitenschutz | 300-450 € |
| Hundeschule, Trimmen | 100-250 € |
Auf den Rasselisten der Bundesländer steht der Australian Terrier nicht, und mit rund 25 cm liegt er weit unter der NRW-Grenze für "große Hunde" (40 cm oder 20 kg). In Niedersachsen braucht trotzdem einen Sachkundenachweis, wer in den letzten zehn Jahren nicht mindestens zwei Jahre lang einen Hund gehalten hat; die Hundehaftpflicht ist dort und in mehreren anderen Bundesländern vorgeschrieben. Kupieren ist in Deutschland verboten, und ein kupierter Hund darf nach § 10 Tierschutz-Hundeverordnung nicht ausgestellt werden. Bei einem Import aus einem Land, in dem noch kupiert wird, also auf eine natürliche Rute achten.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- Familien mit Kindern, die einen robusten kleinen Hund statt eines zerbrechlichen Zwerghunds suchen
- Stadtmenschen mit Wohnung, die täglich mit dem Hund rausgehen
- allen, die ein pflegeleichtes Fell wollen, das kaum haart
- Menschen, die einen Hund wollen, der meldet, aber nicht den ganzen Tag bellt
Passt nicht zu:
- Haushalten mit Hamstern, Ratten, Kaninchen oder Ziervögeln
- Menschen, die von Freilauf in Feld und Wald träumen
- Haltern, die den ganzen Tag weg sind
- Menschen, die einen Hund wollen, der nie diskutiert. Der australische Verwandte mit seidigem Fell ist der Silky Terrier, der klassische schottische Arbeitsterrier der Cairn Terrier, ein etwas unkomplizierterer kleiner Terrier der Norwich Terrier