Herkunft und Geschichte
Die Amerikanische Bulldogge stammt von den Arbeitsbulldoggen ab, die Einwanderer in den Süden der USA mitbrachten. Auf den Farmen fingen und hielten sie entlaufene Rinder und halbwilde Schweine, vertrieben Raubtiere und bewachten den Hof. Gezüchtet wurde nach Leistung, nicht nach Aussehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Schlag fast verschwunden. Laut Rassegeschichte des United Kennel Club (UKC) führte der Kriegsheimkehrer John D. Johnson die Wiederbelebung an, zusammen mit Alan Scott und anderen Züchtern. Daraus entstanden die zwei Linien, die es bis heute gibt:
- Johnson-Typ ("Bully"): schwerere Knochen, größerer Kopf, kürzerer Fang, ausgeprägter Stop und deutlicherer Vorbiss.
- Scott-Typ ("Standard" oder "Performance"): schlanker und sportlicher, mit längerem Fang und weniger extremem Gebiss.
Viele Hunde sind heute eine Mischung aus beiden. Der UKC erkennt die Rasse seit dem 1. Januar 1999 an, der amerikanische AKC führt sie nur in seinem Vorregister Foundation Stock Service. Die FCI erkennt sie nicht an. Deshalb gibt es keine VDH-Papiere und keinen VDH-Rasseclub; Ahnentafeln kommen von amerikanischen Registern oder Vereinen außerhalb des VDH. Prüfe einen Züchter deshalb besonders genau.
Wesen und Charakter
Der UKC-Standard beschreibt den idealen Hund als sanften, liebevollen Familienbegleiter, der furchtlos genug ist, sich einem wütenden Bullen oder einem Einbrecher entgegenzustellen. Im Alltag heißt das:
- In der Familie ist sie anhänglich, verspielt und sehr körperlich. Viele lehnen sich an ihre Menschen oder liegen auf ihren Füßen.
- Fremden gegenüber reicht die Spanne von zurückhaltend bis misstrauisch. Laut Standard sind junge Hunde oft reserviert, das Selbstbewusstsein kommt meist mit etwa 18 Monaten.
- Haus und Grundstück bewacht sie aus eigenem Antrieb, ganz ohne Schutzdienst.
- Die Verträglichkeit mit anderen Hunden schwankt. Bei erwachsenen gleichgeschlechtlichen Hunden gibt es oft Streit, und das Erbe als Packer bedeutet einen deutlichen Jagdtrieb gegenüber Katzen und Kleintieren.
Sie ist kräftig, energiegeladen und macht vieles mit Vollgas. Mit den eigenen Kindern ist eine gut aufgezogene Bulldogge meist zuverlässig, aber ein so stürmischer Hund rempelt ein Kleinkind leicht um.
Größe und Aussehen
Ein kurzhaariger, muskulöser Hund, etwas länger als hoch, mit breitem Kopf und kräftigem Kiefer. Der UKC erlaubt einfarbige, weiße mit farbigen Platten und gestromte Hunde. Einfarbig Schwarz oder Blau ohne Weiß, Merle, Dreifarbigkeit und eine volle schwarze Maske führen zur Disqualifikation.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe (UKC) | 56-69 cm | 51-64 cm |
| Gewicht (üblich) | 27-54 kg | 27-54 kg |
| Lebenserwartung | 10-15 Jahre | 10-15 Jahre |
| Fell | kurz, glatt | kurz, glatt |
Der UKC nennt kein Gewicht, sondern verlangt nur, dass es zur Größe passt. Rüden sind deutlich schwerer als Hündinnen, und der Typ macht noch mehr aus: schwere Johnson-Rüden liegen am oberen Ende, schlanke Scott-Hündinnen am unteren.
Bewegung und Alltag
Rechne mit mindestens einer Stunde echter Bewegung am Tag plus Kopfarbeit. Besonders Hunde vom Scott-Typ sind sportlich und mögen Rennen, Reizangel, Zughundesport und Zerrspiele. Bully-Typen ermüden schneller und vertragen Hitze schlecht, also im Sommer nur morgens und abends auslasten. Junghunde nicht zu langen Läufen zwingen.
Realistisch ist ein Haus mit sicher eingezäuntem Garten. Eine Wohnung geht mit einem ruhigen erwachsenen Hund und viel Einsatz, aber Treppenhaus, Aufzug und Nachbarhunde sind jeden Tag eine Prüfung. Eine gelangweilte Bulldogge kaut, gräbt und wird aufdringlich.
Erziehung
Die Rasse ist klug und verfressen, kann aber stur sein, vor allem in der Pubertät. Was funktioniert:
- Kurze, fröhliche Einheiten mit Futter und Spielzeug. Harte Strafen machen sie defensiv oder taub für dich.
- Frühe, breite Sozialisierung: Besuch, Kinder, Tierarzt, Straßenverkehr, andere Hunde. Bis ins zweite Jahr dranbleiben, denn dann erwacht meist der Wachtrieb.
- Impulskontrolle ab dem ersten Tag: an der Tür warten, ruhig begrüßen, ein sicheres Abbruchsignal und Rückruf.
- Leinenführigkeit üben, solange der Welpe noch zu halten ist. In Bayern, Hessen und NRW kommen Gutachten, Wesenstest oder Sachkunde ohnehin auf dich zu.
Typische Probleme sind Ziehen an der Leine, Anspringen, übertriebenes Bewachen und Streit mit gleichgeschlechtlichen Hunden.
Pflege
Sehr wenig. Einmal pro Woche mit dem Gumminoppenhandschuh bürsten, im Fellwechsel öfter. Bei Bully-Typen mit Gesichtsfalten die Falten sauber und trocken halten. Ohren kontrollieren, Zähne putzen und Krallen kürzen, am besten schon beim Welpen üben.
Gesundheit
Die Rasse gilt als robust, einige Probleme sollte man aber kennen:
- Hüft- und Ellbogendysplasie (HD/ED)
- Neuronale Ceroid-Lipofuszinose (NCL10), eine rezessiv vererbte Erkrankung des Gehirns durch eine Mutation im CTSD-Gen. Betroffene Hunde verlieren meist zwischen 1 und 3 Jahren fortschreitend die Koordination. Es gibt einen Gentest.
- Angeborene Ichthyose (ICT-A), eine rezessive Hauterkrankung (NIPAL4-Gen) mit schuppiger Haut ab dem Welpenalter. Auch hier gibt es einen Gentest.
- Kirschauge, Entropium und andere Lidprobleme
- Hautallergien und bei kurzschnäuzigen Linien Hitzeempfindlichkeit
Lass dir HD- und ED-Befunde beider Eltern und die Gentests auf NCL und ICT-A zeigen. Zwei Träger dürfen nicht miteinander verpaart werden. Eine Augenuntersuchung ist sinnvoll. Die Lebenserwartung liegt bei 10 bis 15 Jahren.
Kosten
Ein Welpe von einem Züchter, der die Eltern röntgen und gentesten lässt, kostet in Deutschland meist 1.000 bis 2.000 €. Weil es keinen VDH-Verein gibt, schwanken Preise und Qualität stark. Billige Kleinanzeigen bedeuten fast immer: keine Untersuchungen, oft auch unklare Abstammung.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund mit 30-50 kg) | 500-800 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde 100-400 €, als Listenhund oft deutlich mehr |
| Hundehaftpflicht | ca. 60-150 €, für Listenhunde teurer |
| Tierarzt (Durchschnitt) | ca. 500 € |
Dazu kommen Erlaubnis, Gutachten oder Wesenstest und Sachkundeprüfung, wo die Rasseliste gilt, außerdem Zaun, Hundeschule und eventuell eine OP-Versicherung.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- aktiven Haltern, die einen robusten, sportlichen Hund für Wandern, Laufen oder Hundesport suchen
- einem Haus mit sicher eingezäuntem Garten in einem Bundesland, dessen Rasseliste die Amerikanische Bulldogge nicht führt, oder Haltern, die den Aufwand mit Erlaubnis und Tests bewusst tragen
- erfahrenen Haltern, etwa nach einem Boxer
Passt nicht zu:
- Ersthundehaltern, die einen ruhigen Hund wollen; die Englische Bulldogge ist gemütlicher, hat aber eigene Gesundheitsprobleme
- Haushalten mit Katzen oder mehreren gleichgeschlechtlichen Hunden
- Mietern, deren Vertrag Listenhunde ausschließt
- Menschen, die einen reinen Wachhund suchen: Cane Corso und Boerboel sind schwerer, ernster und verlangen noch mehr Erfahrung