Herkunft und Geschichte
Der Kleine Münsterländer stammt aus dem Münsterland. Laut FCI-Standard ist seine Zucht dort seit etwa 1870 belegt, und in ihm steckt das Blut jahrhundertealter Stöber- und Vorstehhunde. Im Volksmund hieß der langhaarige Vogelhund Heidewachtel.
1912 wurde der "Verein für Kleine Münsterländer Vorstehhunde (Heidewachtelhunde)" gegründet, um diese Hunde als eigenständige Jagdrasse zu erhalten. Ziel war, so der Standard, ein mittelgroßer, passionierter, intelligenter und anhänglicher Hund, vollständig vielseitig in Feld, Wald und Wasser. 1921 schrieb Dr. Friedrich Jungklaus den ersten Rassestandard. Heute betreut der Verband für Kleine Münsterländer e.V. die Rasse im VDH und JGHV, mit 16 deutschen Landesgruppen (plus einer Gruppe in Nordamerika) und laut VDH rund 1.100 eingetragenen Welpen im Jahr. Gültig ist der FCI-Standard Nr. 102, Gruppe 7, mit Arbeitsprüfung.
Mit dem Großen Münsterländer ist er trotz des Namens nicht einfach "verwandt in klein": Beide kommen aus derselben Gegend, aber aus anderen Zuchtlinien. Der Große ist schwarz-weiß, der Kleine immer braun-weiß.
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt ihn als intelligent und lernfähig, temperamentvoll, aber ausgeglichen, Menschen gegenüber aufmerksam und freundlich ("familientauglich"), mit engem Kontakt zum Führer, ausdauernder Passion und Wildschärfe. Im Alltag heißt das:
- Er ist zuerst Jagdhund. Vorstehen, Apportieren zu Land und aus dem Wasser, Schweißarbeit: Die Anlagen sind angezüchtet und schalten sich im Vorort nicht ab.
- Er hängt sehr an seinen Menschen. Ein KlM will dabei sein. Zwingerhaltung oder lange Tage allein machen ihn unglücklich.
- Er ist sensibel. Harte Hand und laute Stimmung bremsen ihn aus, ruhige und faire Führung holt alles aus ihm heraus.
- Er ist kein Wachhund. Er meldet Besuch, begrüßt ihn dann aber freundlich.
Mit Kindern ist er meist verträglich und verspielt. Das Problem in einer reinen Familienhaltung sind nicht die Kinder, sondern die fehlende Arbeit.
Größe und Aussehen
Mittelgroß, harmonisch, etwas länger als hoch. Das Haar ist dicht, mittellang, schlicht oder leicht gewellt und wasserabweisend, mit Befederung an den Vorderläufen, Hosen und einer langen Fahne mit weißer Spitze. Farben: braun-weiß und braunschimmel mit Platten, Mantel oder Tüpfelung. Lohfarbene Abzeichen, die "Jungklaus-Abzeichen", sind erlaubt.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 52-56 cm | 50-54 cm |
| Gewicht | ca. 20-27 kg | ca. 18-25 kg |
| Lebenserwartung | 12-14 Jahre | 12-14 Jahre |
| Fell | mittellang, dicht | ebenso |
Der Standard nennt 54 cm für Rüden und 52 cm für Hündinnen, jeweils plus/minus 2 cm. Ein Gewicht legt er nicht fest.
Bewegung und Alltag
Rechne mit zwei Stunden echter Beschäftigung am Tag: Freilauf, wo es erlaubt und sicher ist, Nasenarbeit, Apportieren, Schwimmen. Ein Spaziergang an der Leine lastet ihn nicht aus.
Am besten ist er im Revier aufgehoben. Der Verband ist da deutlich: Laut seiner Seite beim VDH gibt er Welpen ausschließlich in Jägerhände ab, mit dem Anspruch, sie auf Prüfungen und im Jagdbetrieb zu führen. Die Landesgruppe Schwaben schreibt, wegen des ausgeprägten Jagdtriebs sei der KlM als reiner Familienhund nicht geeignet, und hält auch die Haltung in der Stadt nur bedingt für ratsam.
Eine Wohnung ohne Garten passt nicht. Allein bleiben muss geübt werden, stundenlang allein ist für diesen Hund keine Lösung.
Erziehung
Er gilt als einer der leichter auszubildenden Vorstehhunde: kooperativ, lernfreudig, eng am Führer. Was funktioniert: Belohnung, kurze Einheiten, viel Apport und Nasenarbeit im Alltag und eine Ausbildung nach dem Weg des JGHV mit Verbandsjugendprüfung (VJP) und Herbstzuchtprüfung (HZP).
Typische Schwierigkeiten:
- Rückruf bei Wild. Ein Hase schlägt jede Übung. Schleppleine, bis der Rückruf sitzt, und in der Brut- und Setzzeit die Leinenregeln deines Bundeslandes beachten.
- Empfindlichkeit. Ein lautes Wort kann eine Woche Arbeit kosten. Ruhig bleiben, mit Erfolg aufhören.
- Unterforderung. Ein unausgelasteter KlM sucht sich selbst Aufgaben: Kauen, Buddeln, Bellen.
Pflege
Überschaubar. Ein- bis zweimal pro Woche bürsten, nach jedem Reviergang Kletten, Grannen und Zecken aus Befederung, Ohren und Achseln holen. Das Fell lässt Schmutz gut abfallen, gebadet wird selten. Im Fellwechsel haart er mehr. Scheren ist nicht nötig, nur das Haar zwischen den Ballen kürzen.
Nach dem Schwimmen die Ohren trocknen: Hängeohren, die feucht bleiben, entzünden sich leicht.
Gesundheit
Der Kleine Münsterländer gilt als gesunde Rasse, angeborene Probleme sind selten. Wichtig zu kennen:
- Hüftgelenksdysplasie (HD). Die wichtigste orthopädische Frage. Der Verband nimmt die Hüftqualität in seine Zuchtwertschätzung auf, zusammen mit jagdlichen Anlagen und Schulterhöhe.
- Nabelbruch. Wird vom Verband ebenfalls in der Zuchtwertschätzung erfasst.
- Lidfehler. Entropium, Ektropium und Distichiasis sind laut Standard disqualifizierende Fehler, die Zucht selektiert also dagegen.
- Ohrentzündungen, vor allem bei Hunden, die viel schwimmen.
- Übergewicht, wenn die Jagdsaison vorbei ist und das Futter gleich bleibt.
Frag beim Züchter nach den HD-Befunden und Prüfungsergebnissen beider Elterntiere und nach deren Zuchtwerten.
Kosten
Ein Welpe aus Verbandszucht kostet meist 1.000 bis 1.500 €. Dafür musst du in der Regel Jäger sein und die Ausbildung zusagen. Angebote deutlich darunter oder ohne Papiere sind ein Warnsignal.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (250-350 g Trockenfutter am Tag) | 400 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. ca. 80 € |
| Hundehaftpflicht (für Jagdhunde oft in der Jagdhaftpflicht) | ca. 70 € |
| Tierarzt (Durchschnitt über ein Hundeleben) | ca. 400 € |
| Prüfungsgebühren, Ausbildung | 100-300 € |
Viele Gemeinden ermäßigen die Hundesteuer für brauchbare, geprüfte Jagdhunde von Jagdscheininhabern oder erlassen sie ganz. Schau in die Satzung deiner Gemeinde.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- Jägern, die einen vielseitigen Hund für Feld, Wald und Wasser suchen
- Jägern, die ihren Hund im Haus und in der Familie halten wollen
- Haus mit Garten, eher ländlich
- Menschen, die Ausbildung und Prüfungen gern selbst machen
Passt nicht zu:
- Nichtjägern, die einen Familienhund suchen. Seriös ist ein KlM so kaum zu bekommen, ein Golden Retriever ist dann die ehrlichere Wahl
- Stadtwohnung und langen Tagen allein
- Menschen, die einen Wachhund wollen
Wer einen größeren, robusteren Vorstehhund sucht, schaut auf den Deutsch Kurzhaar, wer einen kleineren auf den Epagneul Breton, wer stöbern statt vorstehen will, auf den English Springer Spaniel.