Herkunft und Geschichte
Der Puli ist ein kleiner ungarischer Hütehund. Laut FCI-Standard kamen seine Vorfahren höchstwahrscheinlich mit den wandernden Magyaren ins Karpatenbecken, einem Nomadenvolk, das von der Viehzucht lebte. Jahrhundertelang trieb und sammelte er für die Schäfer die Herden in der Tiefebene, während große Hirtenhunde wie der Komondor nachts die Herde bewachten. In der ungarischen Literatur taucht der Name Puli laut Deutschem Puli Klub zum ersten Mal 1751 auf.
Die organisierte Zucht begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Tiermediziner Emil Raitsits, der im ganzen Land nach guten Pulis für das neue Zuchtbuch suchte. Der Klub erzählt auch von der Polizeiphase: 1933 gewann ein Puli einen internationalen Polizeihunde-Wettbewerb, und der Standard von 1935 kannte sogar einen "Polizeipuli" über 50 cm. Diese Größenklassen wurden bald wieder abgeschafft. Im Zweiten Weltkrieg kam die Zucht in Ungarn fast zum Erliegen; erst 1948 verschaffte man sich auf einer kleinen Ausstellung einen Überblick über die verbliebenen Zuchthunde.
Heute gilt der FCI-Standard Nr. 55, Gruppe 1 (Hüte- und Treibhunde), Sektion 1 Schäferhunde, ohne Arbeitsprüfung. Im VDH betreut ihn der Deutsche Puli Klub (PuK), gegründet 1989. Laut PuK gibt es nur wenige hundert Pulis in Deutschland.
Wesen und Charakter
Der Standard fasst es in einem Satz: von lebhaftem Temperament, äußerst gelehrig, kinderlieb und ein ausgezeichneter Wachhund. Im Alltag heißt das:
- Er ist flink und fröhlich. Der Standard beschreibt einen trippelnden, springenden Gang und die Neigung, sich um sich selbst zu drehen. Der PuK betont die "riesengroße Portion Lebensfreude", aber auch: hyperaktiv ist er nicht, im Haus ist er ruhig, wenn seine Menschen da sind.
- Er meldet alles. Als Wachhund kündigt er jeden Besuch an und ist Fremden gegenüber oft zurückhaltend.
- Er hat Selbstbewusstsein. Er lernt schnell, will aber eine klare Linie. Der PuK schreibt: liebevoll, aber konsequent von Anfang an.
- Er hütet. Als echter Hütehund passt er laut PuK auf seine Familie auf und hält das "Rudel" zusammen.
Mit Kindern ist er meist verspielt und anhänglich, laut Standard ist er kinderlieb. Einen ausgeprägten Jagdtrieb hat er nach Erfahrung des PuK nicht.
Größe und Aussehen
Ein mittelgroßer, quadratisch gebauter Hund: Rumpflänge gleich Widerristhöhe. Unter dem Fell ist er trocken und gut bemuskelt, mit feinen, aber nicht zu leichten Knochen. Die Rute liegt eingerollt auf der Kruppe, deshalb wirkt die Rückenlinie nach hinten leicht ansteigend.
Das Fell ist das Markenzeichen. Das Welpenfell ist dicht, wellig oder lockig; später verbinden sich gröberes Deckhaar und feinere Unterwolle zu Zotten und Schnüren. An Lende, Kruppe und Oberschenkeln werden sie 20-30 cm lang, an Kopf und Läufen 10-12 cm. Farben laut Standard: schwarz, schwarz mit rostfarbenem oder grauem Anflug, falb (fakó) mit deutlicher schwarzer Maske, grau in jeder Schattierung und perlweiß.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 39-45 cm (ideal 41-43 cm) | 36-42 cm (ideal 38-40 cm) |
| Gewicht | 13-15 kg | 10-13 kg |
| Lebenserwartung | 10-15 Jahre | 10-15 Jahre |
| Fell | Zotten, gröberes Deckhaar, feine Unterwolle | gleich |
Größe und Gewicht stammen aus dem FCI-Standard, die Lebenserwartung aus dem Rasseporträt des AKC.
Bewegung und Alltag
Der PuK empfiehlt zwei bis drei Runden am Tag, im Schnitt etwa 1,5 Stunden. Über mehr freut er sich, und danach döst er gern unter dem Tisch. Er ist ausdauernd und eignet sich als Jogging- oder Reitbegleithund, sobald er ausgewachsen ist.
In der Stadt kommt er laut Klub gut zurecht, wenn er genug Auslauf hat und überall mit darf, auch ins Café. Eine Wohnung geht, wenn das Bellen im Treppenhaus erzogen ist. Als Ausgleich eignen sich Agility, Obedience, Dog Dancing und Hüten. Für Agility kürzen viele Halter die Zotten etwas ein.
Erziehung
Was funktioniert: frühe Sozialisierung, kurze, abwechslungsreiche Einheiten, positive Bestätigung und eine klare Linie. Der Puli ist klug genug, Wiederholungen langweilig zu finden, und selbstbewusst genug, Regeln zu testen. Härte bringt nichts, Konsequenz alles.
Typische Schwierigkeiten:
- Bellen. An der Herde treibt der Puli bellend und zwickend; das steckt drin. Der PuK verschweigt die Bellfreudigkeit nicht, schreibt aber, dass sie mit konsequenter Erziehung vom Welpenalter an absolut kontrollierbar ist.
- Misstrauen gegenüber Fremden. Den Welpen mit vielen ruhigen Besuchern bekannt machen.
- Hüteverhalten gegenüber Kindern, Radfahrern und anderen Tieren.
- Rückruf bei Ablenkung, gerade in der Pubertät.
Pflege
Bürsten musst du einen gezotteten Puli nicht, Arbeit macht das Fell trotzdem. Laut PuK besteht die Pflege bis zum Alter von etwa 10 Monaten nur darin, den Welpen ausgiebig zu kraulen. Mit der Geschlechtsreife verfilzt das nachwachsende Haar von der Haut her, und das Zotten beginnt: Du ziehst die Haarbüschel mit den Fingern bis zur Haut auseinander und legst dabei die Dicke der Schnüre fest. Später musst du die Zotten immer wieder bis auf die Haut trennen, sonst bildet sich eine Filzplatte. Das geht gut abends vor dem Fernseher.
Gebadet wird selten, laut Klub reicht meist zweimal im Jahr: Ein Wollfett schützt die Zotten, ein kurzer Regen dringt nicht bis zur Haut. Ist das Fell aber richtig durchnässt, braucht ein Puli mit festen Schnüren bis zu 24 Stunden zum Trocknen. Die Haare an den Pfoten zurückschneiden, Ohren kontrollieren. Ein erwachsener Puli haart kaum.
Keine Lust auf Zotten? Scheren ist erlaubt; die ungarischen Hirten scheren ihre Pulis laut PuK etwa alle zwei Jahre zusammen mit den Schafen. Bis die Schnüre wieder lang sind, dauert es dann mehrere Jahre.
Gesundheit
Der Puli gilt als robuste Rasse. Der PuK schreibt, Probleme wie ständig gereizte Ohren oder Augen kenne der Puli nicht. Weil die Population klein ist, achtet der Klub aber genau auf:
- Hüftgelenksdysplasie (HD). Jeder Zuchthund im PuK muss HD-geröntgt sein.
- Augenerkrankungen. Jeder Zuchthund braucht eine Augenuntersuchung bei einem vom DOK anerkannten Tierarzt; der Klub beobachtet zwei Augenerkrankungen, die bei anderen Rassen aufgetreten sind.
- Patellaluxation (Kniescheibe). Der amerikanische Rasseclub empfiehlt eine Patella-Untersuchung, die Ellbogen (ED) gelten dort als optional.
- Degenerative Myelopathie (DM). Eine fortschreitende Rückenmarkserkrankung älterer Hunde. Der amerikanische Rasseclub empfiehlt dafür einen Gentest.
Außerdem muss ein Zuchthund im PuK auf einer Ausstellung mindestens "sehr gut" erhalten haben. Frag für beide Elterntiere nach HD-Befund, Augenbefund und, wenn vorhanden, Patella- und ED-Ergebnis.
Kosten
Ein Welpe aus VDH-Zucht kostet meist etwa 1.500 bis 2.000 €. Laut PuK fallen pro Wurf etwa 4 bis 6 Welpen, und es gibt nur wenige Züchter: Rechne mit Warteliste und langer Anfahrt. Der Klub hat eine eigene Welpenvermittlung und veröffentlicht Wurfplanungen auf seiner Seite.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund von 10-15 kg) | 300-450 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. ca. 80-150 € |
| Hundehaftpflicht | ca. 50-70 € |
| Tierarzt (Durchschnitt über ein Hundeleben) | ca. 300-400 € |
| Hundefriseur (nur bei geschorenem Fell) | einige Termine, je ca. 50-80 € |
Auf den Rasselisten der Bundesländer steht der Puli nicht. In NRW gilt aber jeder Hund ab 40 cm Widerristhöhe oder 20 kg als "großer Hund": Viele Rüden und manche Hündinnen erreichen die 40 cm. Dann sind Anzeige bei der Behörde, Sachkundenachweis, Haftpflicht und Chip Pflicht. In Niedersachsen brauchen alle neuen Halter einen Sachkundenachweis, und die Hundehaftpflicht ist in mehreren Bundesländern vorgeschrieben.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- aktiven Familien, Paaren und Singles, die einen kleinen, robusten Hund mit viel Persönlichkeit wollen
- Menschen, die gern trainieren und Hundesport machen
- allen, die einen wachsamen Hund möchten, der Besuch meldet
- Haushalten, die etwas Sand und Laub im Flur und einen Hund, der lange trocknet, gelassen nehmen
Passt nicht zu:
- Menschen, die einen stillen Hund suchen oder hellhörig und mit empfindlichen Nachbarn wohnen
- allen, die wegen "haart kaum" einen pflegeleichten Hund erwarten
- Ersthaltern, die einen unkomplizierten, leichtführigen Hund suchen. Sanfterer Zottelhund: Tibet-Terrier; Locken ohne Zotten: Spanischer Wasserhund; der große Cousin mit Schnüren: Komondor