Herkunft und Geschichte
Der Basset Fauve de Bretagne ist ein kleiner, rauhaariger Laufhund aus der Bretagne. "Fauve" heißt fahlrot, "Basset" niederläufig. Er stammt vom Griffon Fauve de Bretagne ab und damit von den großen fahlroten Meutehunden der Bretagne, die schon im 16. Jahrhundert am französischen Hof gejagt haben und später ausgestorben sind. Für Jäger zu Fuß wurden niederläufige Schläge gezüchtet, und im 19. Jahrhundert jagten kleine Meuten von Fauves Kaninchen, Hase, Fuchs, Reh und Wildschwein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Rasse selten. 1949 gründete Marcel Pambrun in Frankreich den Club du Fauve de Bretagne, dessen Leitspruch bis heute "chasse d'abord" lautet, die Jagd zuerst. Ob beim Wiederaufbau Rauhaardackel oder Petit Basset Griffon Vendéen eingekreuzt wurden, ist umstritten: Manche Quellen sagen ja, der französische Club bestreitet, dass der Bestand je so klein war. Laut FCI-Standard hat der Fauve mehrfach den französischen Pokal der Kaninchenjagd gewonnen und ist in den letzten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts in ganz Frankreich bekannt geworden. Gültig ist der FCI-Standard Nr. 36, Gruppe 6, Sektion 1.3 (kleine Laufhunde), mit Arbeitsprüfung.
In Deutschland ist er eine Rarität. Im VDH betreut ihn der Verein für Französische und Schweizer Laufhunde (CCFS), der 2024 sein 50-jähriges Bestehen gefeiert hat und neben dem Fauve weitere französische Niederlaufhunde wie den Petit Basset Griffon Vendéen und den Basset Artésien Normand führt. Das Züchterverzeichnis des Vereins nennt eine Handvoll Zwinger. Laut VDH-Welpenstatistik fiel 2024 kein einziger Welpe, 2025 waren es 5. In Frankreich wurden 2024 rund 800 Fauves ins Zuchtbuch (LOF) eingetragen.
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt den Fauve als leidenschaftlichen Jäger und zugleich als ausgezeichneten Begleiter des Menschen: gesellig, anhänglich und ausgeglichen. Bei der Jagd zeige er sich mutig, schlau und hartnäckig. Aggressive oder übermäßig scheue Hunde sind disqualifiziert. Im Alltag heißt das:
- Er ist in erster Linie Laufhund. Er sucht selbstständig, nimmt die Spur auf und folgt ihr laut. Ist die Nase einmal unten, hört er schlecht.
- Er ist fröhlich und freundlich. Zu Menschen, Kindern und anderen Hunden meist offen und sanft. In einer niederländischen Umfrage beschrieben 80 % der Halter ihren Fauve als freundlich, fröhlich, ruhig und anhänglich.
- Er hat eine Stimme. Spurlaut ist bei ihm erwünscht, ein gelangweilter Fauve gibt aber auch zu Hause Laut.
- Er braucht Gesellschaft. Als Meutehund bleibt er ungern lange allein.
Mit anderen Hunden versteht er sich in der Regel gut. Kaninchen und Meerschweinchen im Haushalt solltest du trotzdem nie unbeaufsichtigt mit ihm lassen.
Größe und Aussehen
Klein, kompakt und niederläufig, dabei lebhaft und für seine Größe schnell. Der Rücken ist laut Standard kurz für einen Basset. Das Haar ist sehr rau, hart und eher kurz, nie wollig oder gelockt, der Bart nur mäßig. Die Farbe ist immer fahlrot, von goldweizenfarben bis ziegelrot. Ein paar schwarze Haare auf Rücken und Behängen und ein kleiner weißer Brustfleck werden toleriert. Die Behänge sind in Augenhöhe angesetzt, laufen spitz aus und sind kürzer und feiner behaart als der Körper.
| Rüden | Hündinnen | |
|---|---|---|
| Widerristhöhe | 32-38 cm | 32-38 cm |
| Gewicht | ca. 12-16 kg | ca. 12-16 kg |
| Lebenserwartung | 12-14 Jahre | 12-14 Jahre |
| Fell | rau, hart, eher kurz | ebenso |
Der Standard erlaubt bei hervorragenden Hunden 2 cm Toleranz und nennt kein Gewicht, der Wert ist ein Richtwert.
Bewegung und Alltag
Rechne mit mindestens einer Stunde Bewegung am Tag, und zwar mit Arbeit für die Nase: lange Spaziergänge in Wald und Feld, Schleppleine, Fährte, Mantrailing, Nasenarbeit. Wer nicht jagt, sollte ihm eine dieser Aufgaben geben.
Jagdlich geführt wird er auch in Deutschland. Laut CCFS steht die Rasse auf der Liste der vorläufig anerkannten Rassen des JGHV, mit VDH- oder FCI-Ahnentafel können Fauves in allen Bundesländern die Brauchbarkeitsprüfung ablegen und an JGHV-Prüfungen teilnehmen, wenn die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind.
Ein Haus mit eingezäuntem Garten ist ideal, denn er buddelt und erkundet gern. Eine Wohnung geht, wenn er täglich richtig rauskommt und die Nachbarn mit gelegentlichem Laut leben können.
Erziehung
Der Fauve ist klug und gutmütig, aber wie jeder Laufhund selbstständig. Am besten klappt es mit kurzen, fröhlichen Einheiten und Futterbelohnung. Mit harter Hand erreichst du bei ihm nichts.
Typische Schwierigkeiten:
- Rückruf. Monatelang an der Schleppleine üben und damit rechnen, dass die Nase manchmal gewinnt. In der Brut- und Setzzeit gilt in mehreren Bundesländern Leinenpflicht im Wald und in der freien Landschaft.
- Bellen und Laut geben. Ein Ruhesignal aufbauen und das Bellen nicht belohnen.
- Futterdiebstahl. Er ist ein Laufhund, also nichts auf dem Tisch liegen lassen.
- Alleinbleiben. Schon im Welpenalter in kleinen Schritten üben.
Pflege
Einfach, aber mit Eigenheiten. Einmal pro Woche bürsten, nach dem Spaziergang Pfoten, Behänge und Fell auf Kletten und Zecken kontrollieren. Das harte Haar wird getrimmt, also von Hand gezupft, und nicht geschoren: Der niederländische Rasseclub empfiehlt das etwa zweimal im Jahr. Scheren macht das Haar weich und die Farbe blasser. Nur bei Bedarf baden, die Ohren sauber und trocken halten, die Krallen regelmäßig kürzen. Er haart wenig bis mäßig.
Gesundheit
Der Fauve gilt als robuste Rasse. Diese Punkte solltest du kennen:
- Primäres Offenwinkelglaukom (POAG). Eine 2015 entdeckte, rassetypische Mutation im Gen ADAMTS17 verursacht einen erblichen grünen Star. Der Erbgang ist rezessiv, es gibt einen Gentest. Zwei Träger sollten nicht miteinander verpaart werden.
- Patellaluxation (herausspringende Kniescheibe), vom Tierarzt zu untersuchen.
- Allergien, Haut- und Ohrprobleme. In einer niederländischen Umfrage von 2020 unter 337 Fauves die häufigsten Befunde: etwa jeder sechste bis siebte Hund hatte Atopie oder Allergien, gut 10 % Ohrprobleme.
- Epilepsie (3,2 % in derselben Umfrage). Einen Test gibt es nicht, frag den Züchter offen nach Anfällen in der Linie.
Frag beim Züchter nach dem POAG-Gentest beider Eltern, einer Augenuntersuchung und einem Patellabefund.
Kosten
Würfe in Deutschland sind so selten, dass viele Welpen aus dem Ausland kommen, vor allem aus Frankreich und den Niederlanden. Preise veröffentlichen die Züchter kaum; als grobe Orientierung kannst du bei deutschen und niederländischen Züchtern mit etwa 1.000 bis 1.500 € rechnen, das ist eine Schätzung, keine Preisliste. In Frankreich nennen Ratgeber für Welpen mit LOF-Papieren 700 bis 1.200 €, Kleinanzeigen liegen teils darunter.
Laufende Kosten pro Jahr, grob:
| Posten | ca. pro Jahr |
|---|---|
| Futter (Hund um 15 kg) | 300-450 € |
| Hundesteuer | je nach Gemeinde, z. B. ca. 80-150 € |
| Hundehaftpflicht | ca. 50-80 € |
| Tierarzt (Durchschnitt über ein Hundeleben) | ca. 300-450 € |
| Trimmen beim Hundefriseur, zweimal im Jahr | 80-150 € |
Auf den Rasselisten der Bundesländer steht der Fauve nicht. Mit 32-38 cm und meist unter 20 kg bleibt er in NRW in aller Regel unter der Grenze für "große Hunde" (ab 40 cm oder 20 kg), für die Anzeige, Sachkundenachweis und Haftpflicht Pflicht sind. In Niedersachsen braucht dagegen jeder einen Sachkundenachweis, der in den letzten zehn Jahren nicht mindestens zwei Jahre lang einen Hund gehalten hat. Für brauchbare, geprüfte Jagdhunde von Jagdscheininhabern ermäßigen oder erlassen viele Gemeinden die Hundesteuer, schau in die Satzung deiner Gemeinde.
Für wen er passt und für wen nicht
Passt zu:
- aktiven Familien, die viel draußen sind und einen fröhlichen, robusten kleinen Hund suchen
- Menschen, die Lust auf Fährtenarbeit, Mantrailing oder Nasenarbeit haben
- Jägern, die einen kleinen, spurlauten Hund für Kaninchen und Hase suchen
- Haushalten, in denen tagsüber meist jemand zu Hause ist
Passt nicht zu:
- Menschen, die einen Hund suchen, der zuverlässig frei läuft
- Haushalten, in denen der Hund täglich viele Stunden allein ist
- hellhörigen Wohnungen mit empfindlichen Nachbarn
Wer einen ruhigeren Niederlaufhund sucht, schaut auf den Basset Hound, wer einen leichter zu findenden Meutehund will, auf den Beagle, und wer einen kleinen Rauhaarigen mit besserem Rückruf sucht, auf den Border Terrier.